Wir haben uns letztes Jahr im Herbst zum Alpenbrevet 2026 angemeldet. Ich dachte, es wäre mal ein tolles Erlebnis mit dem Rennrad an so einem Event teilzunehmen, welches dann auch noch in Andermatt bei Simon endet. Klingt doch eigentlich ganz nett: Ein bisschen Radfahren, ein bisschen Berge und am Ende bei Simon ankommen. Silke hat daraufhin spontan mitgemacht, und Andreas nachdem ich ihn fragte, ebenfalls.
Wir sind dann im Laufe des Jahres einige Pässe mit dem Rennrad gefahren, aber immer nur einen. Und ganz ehrlich: Das hat uns auch gereicht. Beim Brevet müssen wir bei der Bronzetour – der kürzesten Strecke – aber gleich zwei Pässe fahren. Zwei! Dementsprechend nervös, angesichts der Herausforderung, sind wir dann auch. Aber wir haben ja den ganzen Tag Zeit und das wird schon klappen…..So der optimistische Tenor.
Ob das wirklich so eine gute Idee war wird sich noch zeigen.
Dienstag, 01.09.2026
Die Veranstaltung ist am Samstag, aber wir wollen schon früher da sein und ein paar schöne, entspannte Tage in Andermatt verbringen. Bis ich Xaver geladen habe, die Fahrräder provisorisch verladen sind – die finale Idee fehlt mir immer noch – und ich den Rest soweit zusammenhabe, ist es 11:00 Uhr und ich komme endlich los in Richtung Silke.
Ganz ungewöhnlich für mich: Ich habe nichts vergessen und muss nicht noch dreimal zurück!
Bei Silke angekommen, wird kurz der Rest – unter anderem Silke – eingeladen und weiter geht es nun vollkommen entspannt nach Fischingen zum Fünfschilling. Bei einem sehr guten Abendessen und einem Glas Wein endet der Abend im Restaurant des Weinguts. So kann man eine Reise beginnen!
Mittwoch, 02.09.2026
Nach dem Aufwachen gehen wir erst einmal in den Hofladen des Weinguts, um Brot und Brötchen einzukaufen. Geheimtipp: Die Backwaren sind dort sensationell!
Danach starten wir, erst noch volltanken und dann Richtung Andermatt. Theoretisch wollen wir über den Klausenpass fahren, da wir beim letzten Mal so schlechtes Wetter hatten. Praktisch muss ich allerdings erst noch das neue Navi verstehen. Das leitet uns quasi direkt nach Andermatt – mit einem Abstecher zum Klausenpass, was irgendwie für uns so keinen Sinn macht.
Dann halt auf der Rückfahrt…..Man muss ja nicht immer alles sofort verstehen, was einem das Navi so vorschlägt.
Wir erreichen Andermatt am Nachmittag und treffen Simon noch ganz kurz. Morgen gehen wir zusammen Abendessen, heute gibt es leckeres Brot vom Fünfschilling!
Donnerstag, 03.09.2026
Nach dem Frühstück ziehen wir die Wanderschuhe, die rein zufällig irgendwie mit im Auto sind😜, an und wandern hoch zum Nätschen. Das Wetter ist super und wir dehnen den Aufstieg noch ein wenig aus. Wir gehen bis an das Ende des Diavolo-Klettersteigs, der aus der Schöllenenschlucht hochkommt.
Also nach ganz kurzer Betrachtung: Das ist nix für mich! Aber man muss ja nicht alles können. Die Aussicht hier ist allerdings sensationell! Sensationell ist auch die Sicht auf die Kletterer, die gerade die gegenüberliegende Steilwand hochklettern. Ich schaue mir das interessiert an und komme nochmal zu dem eindeutigen Ergebnis: Nein, definitiv nix für mich!! Nach einer kurzen Weile geht’s weiter bis zum Gasthof am Nätschen. Dort belohnen wir uns mit einem Softeis und steigen dann über einen direkten Bergpfad nach Andermatt ab. Sehr steiler Pfad runter, an Xaver angekommen schmerzen die Beine doch ordentlich. Das gibt einen schönen Muskelkater. Ob das angesichts des Brevets jetzt so eine gute Idee war? wird schon passen, zum Radfahren braucht man ja andere Muskeln! Am Abend gehen wir noch mit Simon und Lea essen.
Freitag, 04.09.2026
Ruhe vor dem großen Ereignis. Heute werden die Räder fertig gemacht und sonst erst mal nur ein wenig entspannt…..ich kann das! Als erstes gehen wir aber Frühstücken im Radisson. Einladung von Simon! Das genieße ich immer und ist als Eröffnung für so einen Tag einfach perfekt! Gegen Mittag kommt dann noch Andreas und ab 14:00 Uhr können wir am Festivalgelände unsere Startnummern abholen. Es ist wie immer: Kaum ist man am Eventplatz und taucht in die Atmosphäre ein, steigt die Anspannung und gleichzeitig freut man sich auf das, was kommt. Wir nehmen noch eine Weile das Flair auf, geben noch ein wenig Geld für das Erinnerungstrikot aus und gehen dann zurück. Andreas fährt weiter nach Ulrichen, wo er übernachtet und wir treffen die letzten Vorbereitungen für Morgen. Startnummern anbringen, Flaschen füllen, Räder kontrollieren…..alles, was man eben so macht, wenn man am nächsten Morgen freiwillig zwei Pässe mit dem Rennrad fahren will. Zum Abendessen veranstalten wir unsere eigene Pastaparty mit Spaghetti – wie bei so vielen Campern auf dem Stellplatz. Kohlenhydrate müssen schließlich sein 🍜!
Samstag, 05.09.2026
Der große Tag. 2 Pässe, über 2.000 hm und 65 km.
Naja…..Gehen wir es an. Der Sonderzug für die Bronzetour fährt pünktlich – Schweiz halt! – um 6:42 Uhr ab. Als wir in Ulrichen am Startplatz ankommen, ist noch ausreichend Zeit für einen Kaffee im Bistro des Sportzentrums. Als Andreas kommt, wird auch gerade noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es kein Rennen, sondern eine gemeinsame Ausfahrt ist und wir die Bergwelt genießen sollen. So gefällt es mir! Was für eine unglaublich lockere und freundliche Atmosphäre. Man merkt sofort, dass sich alle auf das freuen, was kommt.
Die Bronzetour hat die wenigsten Starter ca. 300. Um 08:45 Uhr geht es pünktlich los – die Schweizer eben! Wir fahren durch die ortsnahen Felder und nach knapp 2 km beginnt der Anstieg zum Nufenenpass. Das Fahrerfeld zieht sich hier doch dann ziemlich schnell auseinander. Anfangs geht es über steilere Kehren und dann über längere, gleichmäßige Anstiege zum Pass hinauf. So warm wie die ganzen Tage, ist es heute nicht. Einerseits gut- Andererseits wird es, je höher wir kommen, eher kalt…..ziemlich kalt sogar 🥶!
Gegen 12 Uhr kommen wir an der Passhöhe an. Nach einer kurzen Rast geht’s runter nach Airolo, wo dann auch ein großer Verpflegungspunkt auf uns wartet.
Hier bekommen wir alles, was wir so brauchen. Essen, trinken und vor allem das Gefühl, dass man bisher alles richtig gemacht hat.
Nachdem wir uns wieder gestärkt haben, nehmen wir die Tremola hinauf zum Gotthardpass in Angriff.
Ganz ehrlich: Mit dem ersten Pass in den Beinen ist es schon ziemlich anstrengend. Etwa auf der Hälfte fahre ich rechts ran, um auf die anderen zu warten. Ich stelle mein Rad sicher an einem Begrenzungsblock ab und unterhalte mich kurz mit einem anderen Radfahrer. Und dann passiert es: Eine Windböe erfasst mein Rad und schleudert es über den Rand in die Tiefe….Einfach so! Das Rad stürzt ungefähr 4 Meter ab und schlägt auf dem Vorderrad auf. Wir schauen dem Ganzen erst einmal ungläubig hinterher und mir wird momentan ganz schlecht. Ich laufe zum Rad runter und hole es wieder nach oben. In der Zwischenzeit sind Silke und Andreas auch da und genauso fassungslos wie ich. Das Vorderrad steht schief in der Gabel und auch der Lenker steht schief….Na toll! Erster Gedanke: Kaputt , 4 km bergauf schieben und dann 20km bis Andermatt runter, das ist irgendwie nicht so mein Ziel. Nachdem ich alles wieder einigermaßen gerichtet und die Gabel begutachtet habe, wage ich es, weiterzufahren, ich möchte die Tour schon beenden! Das nächsten 4km Kopfsteinpflaster der Tremola sind dann auch gleich noch der richtige Härtetest für das Material. Und für meine Nerven. Aber es hält. Kurz vor der Passhöhe dann das nächste Problem. Mein altes Leiden: Krämpfe, natürlich habe ich nicht an Salztabletten gedacht, Warum auch? Dis letzte Marathontour war 2019. Nach 6 Jahren kann man sowas vergessen! Plötzlich steht eine Ambulanz neben uns und die Sanitäter geben mir Magnesium aus dem Auto…. Super Sache! 10 Minuten später sind wir auf der Passhöhe und nachdem Andreas dann auch da ist, fahren wir runter nach Andermatt. Die Abfahrt gehe ich langsam an. So richtig vertraue ich der Gabel nach dem kleinen Flugabenteuer immer noch nicht. Aber laufen ist definitiv keine Alternative!! Also runter. Kurz und knapp: Alles gut gegangen. Am Ziel sind wir alle glücklich und zufrieden. Wir haben es geschafft!!!!!
Simon und Lea empfangen uns und nachdem wir unser Finisherpaket abgeholt haben, geht es zurück zu Xaver. Andreas verabschiedet sich und fährt mit der Bahn zurück nach Ulrichen und wir gehen mit den anderen zum Sternen Rösti essen……..das haben wir uns verdient und zwar wirklich!!
Es war eine sensationelle Veranstaltung. Hat super viel Spaß gemacht und war ein tolles Erlebnis. Die Atmosphäre, die Strecke, die Berge und vor allem die entspannte Stimmung bei den Teilnehmern – einfach klasse. Obwohl wir uns vorher nicht ganz sicher waren, ob zwei Pässe an einem Tag wirklich eine so gute Idee sind, hat es funktioniert. Vielleicht nächstes Jahr wieder, vielleicht, mal schauen wann die Anmeldung öffnet 🤦🏻♂️!
Großer Respekt an Silke und Andreas – tolle Leistung!
Und mein Rad? Das geht zu Hause direkt zum Händler zur Begutachtung. Nach einem 4-Meter-Flug sollte man dann doch einmal jemanden drauf schauen lassen der sich auskennt!
Sonntag, 06.09.2026
Wir reisen ab. Noch ein kurzer Besuch bei Lea und Simon, dann geht es los. Heute drehen wir die Reise tatsächlich noch einmal über den Klausenpass. Das Wetter ist perfekt und die Fahrt über den Pass ist richtig schön. Traumhafte Bergwelt, steile und enge Straßen, Haarnadelkurven und alles, was man von einer schönen Passfahrt erwartet. Xaver meistert das alles problemlos und fährt sich dabei richtig gut. Gerade auf solchen Strecken merkt man dann doch, dass wir mit dem neuen Allradmobil ein ziemlich passendes Fahrzeug für die Berge haben. Oben, kurz hinter der Passhöhe, machen wir noch eine längere Rast in der Sonne. Ich nutze die Gelegenheit und mache noch eine kurze Wanderung zu einem Wasserfall, den wir bei unserem letzten Besuch hier gesehen hatten. Tja…..hier zeigt sich dann auch die Auswirkung dieses Sommers. Der Wasserfall ist trocken. Gar kein Wasser. Irgendwie schon erschütternd, wenn man weiß, wie es hier beim letzten Mal ausgesehen hat. Nachdem ich wieder bei Xaver und Silke bin, packen wir zusammen und fahren weiter. Die weitere Rückfahrt bis Fischingen ist dann eher unspektakulär und wir übernachten noch einmal beim Fünfschilling. So langsam geht diese kleine Reise dann doch zu Ende.
Montag, 07.09.2026
Nach dem Frühstück – natürlich gibt es wieder leckeres Brot aus dem Hofladen – packen wir zusammen und es geht nach Hause. Gegen Mittag sind wir bei Silke und am Nachmittag bin ich dann auch wieder zu Hause.
Damit ist das Alpenbrevet-Abenteuer endgültig vorbei.
Ein paar schöne Tage in den Bergen, zwei Pässe beim Brevet, ein unfreiwilliger 4-Meter-Flug für mein Fahrrad und zum Abschluss noch der Klausenpass. Eigentlich gar keine so schlechte Bilanz.
