Skandinavien / Baltikum 6.Woche

09.06.2025 Morgens heißer Kaffee und Abends kalter Fluss

Heute lasse ich es mal gemütlich angehen – Erholung oder so halt. Kurz vor 10:00 Uhr klopft es am Wohnmobil. Gestern Abend ist noch ein Ford Nugget angekommen und steht jetzt knapp 50 Meter entfernt hinter ein paar Bäumen. Ein freundliches „Hallo“ aus dem Stuttgarter Raum – und ob ich eine Tasse Kaffee wolle, sie hätten noch was übrig? Wir unterhalten uns bei einer Tasse über Reisepläne, dann fahren die beiden weiter. Eine nette Überraschung zum Tagesbeginn.

Gegen 12:00 Uhr mache ich mich dann auch startklar und fahre weiter Richtung Norden. In Kuusamo entdecke ich mehrere große Supermärkte – also mal schauen, was es hier so gibt. 

Anschließend fahre ich in die Innenstadt. Naja – so richtig begeistert bin ich nicht, und nach gut einer Stunde geht’s weiter nach Ruka. Ein bekanntes finnisches Wintersportzentrum mit Skisprungschanzen, Alpin- und Langlaufpisten. Im Sommer Mountainbike-Zentrum mit Bikepark – quasi „Finnisch Oberstdorf“.

Ich finde einen Stellplatz bei den Sprungschanzen, aber rundherum stehen Baucontainer – nee, hier bleibe ich nicht. Es gibt ja noch ein oder zwei andere Möglichkeiten in der Nähe. Aber irgendwie spricht mich der Ort – im Gegensatz zu Oberstdorf – überhaupt nicht an. Es ist gerade nichts los. Die Skisaison ist durch, der letzte Schnee liegt noch hier und da, und die Sommersaison hat noch nicht begonnen.

Ich fahre weiter bis zum Oulanka-Nationalpark und finde einen schönen Campingplatz in der Nähe des Besucherzentrums. Alles ruhig, mitten im Kiefernwald gelegen. Am Abend gehe ich nochmal in die Sauna – und danach in den Fluss schwimmen.

Sauna im Wald 🥵
Sauna im Wald 🥵
Oulankafluss zum abkühlen 🥶
Oulankafluss zum abkühlen 🥶

10.06.2025 Bärentrail und Grillgespräche

Direkt am Campingplatz verläuft der „Bärentrail“ – eine über 80 km lange Mehrtageswanderung durch Moor-, Fels- und Waldlandschaften. Mit dabei: Hängebrücken, Stromschnellen und kleine Canyons. Ein Teil davon ist der „Kleine Bärentrail“, eine rund 12 km lange Rundtour, ideal als Tageswanderung. Start: direkt am Campingplatz. So dachte ich jedenfalls.
Stellt sich dann doch raus: Ich habe die Campingplätze verwechselt. Der Einstieg in den kleinen Trail liegt etwa 30 Minuten weiter südlich. 🤦🏻‍♂️

Egal – direkt hier ist das Besucherzentrum des Oulanka-Nationalparks, also schaue ich mich dort um. Ich finde eine Rundtour, die zunächst dem Oulankajoki (Joki = Fluss) folgt – ein Stück also doch Bärentrail.
Der Weg führt an Stromschnellen, steilen Klippen und kleinen Wasserfällen entlang, bevor er nach etwa 5 km vom Fluss abzweigt und durch den Wald zurückführt – vorbei an Seen und einer Rentierstation.

Und dann passiert es: Ein Rastplatz mit Feuerstelle – und ich bin vorbereitet. Feuerholz, Wurst, alles dabei. 🔥🌭
Eine Holländerin ist schon da, wir unterhalten uns eine Weile. Sie ist seit drei Tagen.
mit dem Zelt unterwegs. Kaum ist sie weitergezogen, kommt der nächste Wanderer – dann eine Familie aus Singapur. Spannend was man während man eine Wurst grillt für Gespräche führen kann. Als ich weiter will tauchen noch zwei Schweizer auf, die auch auf dem Campingplatz stehen. Ich gebe eine Wurst ab, wir reden kurz, dann gehe ich weiter.
Bis ich zurück bin, sind es rund 12 km. Schöne Tour – und durch die Rast irgendwie intensiver.

Zurück am Platz scheint die Sonne. Ich gehe nochmal im Fluss schwimmen – erfrischend🥶 … oh ja! Während ich im Wasser bin, kommen die beiden Schweizer wieder. Sie haben gerade die Sauna gebucht – und laden mich ein. Perfekt!
Zum Abendessen gibt’s Gegrilltes am Lagerfeuerplatz, wo ich mich noch eine Weile mit einem französisch-amerikanischen Wanderpaar unterhalte.

11.06.2025 Regentag, weiter geht’s nach Rovaniemi

Yr, die Wetter-App, hat recht behalten – es regnet. Ich packe meine Sachen zusammen und verlasse gegen 11:00 Uhr den Campingplatz. Nach kurzer Zeit lässt der Regen nach, und als ich am Abzweig zur kleinen Bärenrunde vorbeikomme, bin ich kurz versucht, doch noch loszuwandern … aber Yr sagt Regen für den ganzen Tag voraus. Und während ich noch mit mir hadere – ich könnte ja „die Wanderung“ verpassen – fängt es richtig an zu schütten. Entscheidung abgenommen.

Bis zum Nachmittag fahre ich also weiter durch den Regen, bis nach Rovaniemi. Ich merke unterwegs das ich inzwischen in Lappland bin. Immer wieder stehen am Straßenrand oder auf der Straße Rentiere rum, schön aber man muß sehr aufpassen….

Rovaniemi liegt direkt am Polarkreis und ist offiziell die Heimatstadt des Weihnachtsmanns. Hier gibt’s das Santa Claus Village – komplett mit Rentieren, Postamt und Souvenir-Overkill. Kitschig? Ja. Aber wenn man schon mal da ist …

Nachdem ich meine Vorräte im dortigen Lidl aufgefüllt habe, suche ich mir einen Stellplatz und fahre mit dem Rad in die Innenstadt. Ich weiß zwar nicht, was ich erwartet habe – aber außer einem Einkaufszentrum und ein paar Restaurants ist da nicht viel. Typisch Skandinavien: Natur und Landschaft – können sie. Städte? Eher nicht so.

Zurück bei Karsten merke ich schnell: Für die Nacht will ich hier nicht bleiben, ist mir zu laut. Kurz entschlossen fahre ich 20 Minuten aus der Stadt raus und finde an einem See einen Platz für die Nacht – direkt neben einem deutschen Soldatenfriedhof.
Später laufe ich noch über das Gelände und schaue mir das Mausoleum an. Ein schöner Ort – mit einer besonderen, stillen Aura.

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Regenwolken über dem See am Abend

12.06.2025 Museum und Weihnachtswahnsinn

Ich fahre wieder nach Rovaniemi zurück. Ich möchte mir das Arktikum anschauen – ein modernes Museum und Forschungszentrum direkt am Polarkreis. Es bietet spannende Einblicke in die arktische Natur, den Klimawandel und die Kultur der Sámi. Ein Highlight: der 172Meter lange Glastunnel Richtung Norden. 🫎🐻
– Ich bleibe fast drei Stunden – das will bei mir was heißen!

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Glaskuppelgang 172m nach Norden ausgerichtet, tolle Architektur

Ich fahre weiter und nach kurzer Strecke taucht das Weihnachtsdorf auf – der offizielle Wohnort des Nikolaus, genau am Polarkreis. Ganz ehrlich … das ist ein echtes Highlight der Kommerzialisierung von Weihnachten! Ganz nett gemacht, aber Kitsch pur. Man kann zu Santa gehen und mit ihm sprechen – sofern er einen versteht – und für ein Foto mit ihm zahlt man dann 40Euro. Die Welt ist verrückt, aber das Konzept funktioniert. Die Leute stehen wirklich Schlange für dieses Bild.🎅🏻

Jetzt im Sommer ist es hier relativ leer, im Winter ist die Hütte voll – dann brummt der Laden. Muss man mögen …🫣
– Ich fahre nach einer Stunde weiter. Mir reicht das hier völlig.

Nach etwas mehr als einer Stunde erreiche ich den Pyhä-Luosto-Nationalpark und suche mir einen Stellplatz für die Nacht. An einer wunderbar gelegenen Grillhütte gibt’s dann Bratkartoffeln vom Lagerfeuer und in der Nacht beobachte ich eine Weile die Mitternachtssonne über dem See.☀️

13.06.2025 Wandertag und internationale Hilfeleistung

Gestern habe ich mir eine Wanderung durch den Nationalpark rausgesucht. Das Wetter lässt sich heute perfekt an, also starte ich gegen 10:30 Uhr. Gute 15 km und 4–6 Stunden, sagt die Routenbeschreibung.

Nach kurzer Zeit zieht der Weg steil bergauf, über viele Treppenstufen. Ok – es sollen ja über 400 Höhenmeter sein, aber muss das wirklich alles gleich am Anfang kommen? 😅

Nach ein paar Minuten zweigt der Pfad vom Hauptweg ab. Es geht jetzt durch wirklich alten Wald, der sich um den Berg schlängelt. Geröllfelder, Sumpfgebiete, knorrige Bäume – die Landschaft wechselt ständig. Und es ist still. Außer den Geräuschen der Natur hört man hier nichts. Einfach schön.

So geht es knapp 10 km weiter, bis der Pfad erneut bergauf dreht. Nach gut 100 weiteren Höhenmetern ist vom Weg nicht mehr viel zu sehen – nur noch Steine. Ok … dann eben weiter über Geröllfelder. Einen richtigen Pfad gibt es nicht, aber die Markierungen sind gut sichtbar, und so finde ich den, nicht unanstrengenden, Weg bis zum Sendemast und dem Aussichtspunkt. Die Sonne lacht – endlich mal – und die Sicht ist grandios. Das hat sich wirklich gelohnt! Als ich wieder bei Karsten ankomme, zeigt die Uhr etwas über 17 km, 450hm und gute 5,5 Stunden Gehzeit. 

Nach einer Kaffeepause fahre ich weiter in Richtung Inari. Auf einem Parkplatz am Straßenrand stehen drei Motorradfahrer – einer hat wohl ein Problem, die anderen zwei sind schon an der Fehlersuche. Ich halte an und helfe mit meinem Messgerät. Kaum haben wir alles durchgemessen, läuft das Ding plötzlich wieder. Keine Ahnung, woran’s lag – aber es geht wieder.

Internationales Team: Das Motorrad aus Österreich, der Fahrer aus Schweden, die zwei Biker aus Shanghai (seit 1,5 Jahren mit dem Motorrad unterwegs…Respekt!) – und ich aus Deutschland. Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile, bevor ich weiterfahre und schnell einen schönen Platz für die Nacht finde.

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Deutschland, Schweden, Shanghai....läuft wieder!

14.06.1025 Erst nach Saasriselkä aber dann weiter nach Inari

Heute geht es nach Saariselkä, einem Wintersportort kurz vor dem Inarisee. Rainer, mein früherer Nachbar, war dort schon zweimal und hat mir von den MTB-Touren und dem Stellplatz vorgeschwärmt.

Das Wetter heute – sagen wir mal es hätte noch Potenzial besser zu werden – ist regnerisch. Als ich an der Skistation, also dem Stellplatz, ankomme, nieselt es immer wieder leicht, und es ist kalt. Ein schneller Blick in die Wetter-App YR: Es bleibt dabei – und morgen wird’s noch kälter!

Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Als ich dann noch Bagger und Baucontainer auf dem Platz sehe, ist die Entscheidung schnell gefallen: Ich bleibe nicht. Stattdessen trinke ich im dazugehörigen Restaurant einen Kaffee – gefällt mir schon sehr aber stimmt mich nicht um – und fahre weiter.

Ich lande schließlich in Inari und suche mir dort für heute einen Campingplatz. Morgen fülle ich meine Vorräte noch einmal in Finnland auf und mache mich dann auf zur Wildniskirche von Pielpajärvi.

Am Montag geht’s weiter nach Norwegen 🇳🇴

15.06.2025 Wanderung zur Wildniskirche, letzter Stopp vor Norwegen

n der Nacht: strahlender Sonnenschein – heute Morgen dagegen zieht es sich zu und wird deutlich kühler. Gegen 11:00 Uhr verlasse ich den Campingplatz und gehe erst mal einkaufen. Herausforderung: Was macht Sinn? Was brauche ich? Was vielleich? Am Ende eigentlich egal – aber so bin ich halt … 🤷🏻‍♂️

Wie geplant, steht heute die Wanderung zur Wildniskirche von Pielpajärvi an. Der Startpunkt liegt etwa fünf Kilometer hinter Inari. Es ist eine Rundtour von gut 11 Kilometern – Ziel: eine fast 300 Jahre alte Kirche, versteckt mitten im Wald. Der Weg führt über wurzelige und felsige Pfade, vorbei an kleinen Seen und durch schöne Waldabschnitte.

Als ich ankomme und die Kirche besichtigen will, läuft gerade ein Gottesdienst – also erst mal zurück zur Grillhütte, die ein Stück vorher am Weg liegt. Ich warte dort eine Weile mit einer Bratwurst über dem Feuer🌭👍🏻. Nach und nach kommen dann Jugendliche aus der Kirche – offenbar eine Konfirmandengruppe, alle so zwischen 13 und 15, begleitet von ein paar Betreuern. Als schließlich alle weg sind, gehe ich zurück zur Kirche … und finde sie: verschlossen. 🔐🙄

Naja, nicht so schlimm. Ich laufe gemütlich zurück, trinke noch einen Kaffee und fahre dann weiter Richtung Norwegen. Etwa eine Stunde später finde ich einen schönen Übernachtungsplatz am nördlichen Ende des Inarisees.

Zur Einordnung: Der Inarisee ist fast doppelt so groß wie der Bodensee – und zählt über 3000 Inseln. Schon groß!!

Morgen geht’s nach Norwegen! 🇳🇴

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