Skandinavien & Baltikum 2025 – Der etwas andere Reisebeginn

05.05.2025 Die große Reise beginnt!

Oder… auch nicht. Noch nicht so ganz. Denn bevor ich mit wehender Fahne gen Norden aufbreche, geht’s erstmal – ins Büro! Und dann? Mit Michael und einem Leihwagen nach Weimar. „Lichttage“ bei der Firma Stahl. Ja, wirklich. Wenn man schon einen Langzeiturlaub startet, warum nicht mit einer Tagung?  

Mein ursprünglicher Plan war natürlich viel praktischer: Mit dem Wohnmobil anreisen, Karsten entspannt auf dem Hotelparkplatz abstellen und nach der Veranstaltung direkt in Richtung Norden  abbiegen. Nur leider hat das Hotel eine Tiefgarage – und Karsten ist alles, aber nicht tiefgaragentauglich. Der gute Kastenwagen ist randvoll gepackt und soll dann irgendwo 15 Minuten entfernt zwei Tage einsam rumstehen? Zu riskant. Ich sag nur: Parken mit Nervenkitzel-Faktor. Also Plan B: Nach Weimar, dann wieder heim – Mini-Zwischenstopp – und dann endlich los.

Weimar selbst begrüßt uns mit einem Wetter, das sich Mühe gibt. Sonnig, aber frisch. Die Altstadt ist sehr schön, richtig charmant. Wir gönnen uns  knapp drei Stunden Kultur-Rundgang.  Danach gönn ich mir die hoteleigene Sauna – Entspannung auf Knopfdruck – und am Abend gibt’s noch ein tolles Essen in der Altstadt, läuft!

Die nächsten zwei Tage? Im Scheinwerferlicht der sogenannten „Lichttage“ – so nennt sich das Firmen-Event von FA. Stahl. Ein letztes Mal PowerPoint, ein letztes Mal Werksführung, dann heißt’s: zurück in die Firma, „Reisekostenabrechnung“ – und zack, Feierabend. Aber nicht irgendeiner. Der „Jetzt-ist-wirklich-Schluss-und-kein-los-geht´s“-Feierabend.

08.05.2025 Und dann… geht’s los. Die Reise. Die Große!

Nach einem letzten zivilisierten Frühstück (echte Tassen, kein Blechnapf), wird Karsten – mein treuer Reisegefährte auf vier Rädern – mit den letzten Vorräten befüllt. Silke drückt mir um Punkt 11:00 Uhr noch ein Tschüss in die Schulter – sie muss zurück ins echte Leben, während ich in Richtung Fernweh abbiege. Der Abschied ist… sagen wir mal: mit Tränchen. Sieben Wochen Trennung – das ist nicht einfach, auch wenn Karsten mir brav Gesellschaft leistet.

Ich tanke noch Wasser auf, verstaue dies und das, vergesse wie immer irgendwas Wichtiges – und komme natürlich erst nach 13:00 Uhr wirklich vom Hof. Klassisch. Aber hey, immerhin noch kurz bei Aldi rein – es ist noch Platz in der Kühlbox. Prioritäten.

Bis kurz vor 21:00 Uhr rolle ich über Autobahnen, Landstraßen und durch die leichten Wellen des Aufbruchsgefühls. Schlafplatz für heute: Parkplatz am Senftenberger See. 

Ach ja – fast hätte ich’s vergessen: Wie immer auf großen Reisen meldet sich zuverlässig der Running Gag des Bordcomputers. AdBlue leer. Natürlich. Ein echter Klassiker. Fehlt nur noch, dass das Navi „bitte wenden“ sagt – zurück will ich nämlich auf keinen Fall mehr.v

Senftenberger Seee

09.05.2025 Sonnenschein, See und das große AdBlue-Drama

Der nächste Morgen begrüßt mich mit Sonne über dem See – ein schönes Bild. Nach dem ersten Kaffee mache ich einen kleinen Spaziergang am Ufer entlang. Noch recht kühl, etwa 11 Grad, aber in der Sonne lässt es sich gut aushalten.

Ich bleibe eine Weile stehen, schaue aufs Wasser – und merke, wie es mich reizt. Warum eigentlich nicht? Kurz darauf hole ich meine Badesachen, und schon steht das erste Anbaden der Saison im Senftenberger See an. Kalt, ja!, erfrischend, ja! und ich hab’s immerhin getan!!

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Kalt aber super....so fängt Urlaub an!

Nach dem Frühstück geht’s weiter nach Senftenberg – ich suche eine Tankstelle mit AdBlue-Zapfsäule. Sollte kein Problem sein, denkt man. Leider ein Trugschluss. Ich klappere eine Tankstelle nach der anderen ab. Die einzige mit passender Anlage ist defekt, der Rest verkauft AdBlue nur in überteuerten Kanistern. Nach gut einer Stunde gebe ich auf – irgendwo Richtung Cottbus wird sich schon etwas finden.

Und siehe da: Kaum bin ich unterwegs, taucht die passende Tankstelle wie aus dem Nichts auf. Es ist manchmal, als würde das Leben einen kleinen Scherz machen – nur nicht immer einen guten.

Weiter geht’s nach Polen. Auf dem Weg durch Guben fällt mir ein: Hier kommt doch meine Nachbarin Maren her. Da hat es dich schon ziemlich weit nach Niedernhausen verschlagen!!

In Polen nehme ich Kurs auf Łagów – ein kleines Städtchen, hübsch gelegen zwischen zwei Seen, wurde mir gesagt. Die Realität? Die Strecke dorthin ist abenteuerlich: üble Nebenstraßen, Schlaglöcher ohne Ende, und mit 20 km/h kommt man auch nicht wirklich zügig voran. Der Ort selbst? Nett, aber kein Geheimtipp. Ich hake es innerlich ab.

Weiter geht es Richtung Posen, genauer gesagt nach Pniewo. Dort gibt es zwei alte Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg – liegen ganz in der Nähe zueinander. Am See finde ich einen schönen Platz für die Nacht.

Zum Abendessen gibt’s Nudeln mit Pesto – einfach, bewährt, lecker. Kein Festmahl, aber manchmal ist genau das genug.

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Viel Landschaft
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Ist da was vergessen worden?

10.05.2025 Bunker, Brotnot und ein bisschen Posener Poserszene

Der Morgen präsentiert sich wettertechnisch eher in der Kategorie „Kann man machen, muss man aber nicht“. Frühstück gibt’s trotzdem – Müsli. Brot ist zurzeit Mangelware, da herrscht leichte „Brotnot“.

Beim Blick auf die Karte entdecke ich: Kaum einen Kilometer Fußweg entfernt liegt ein verlassener Bunker mitten im Wald. Also ziehe ich los. Und tatsächlich – plötzlich stehe ich davor. Beton, zugewachsen, etwas unwirklich. Ich gehe ein paar Schritte hinein, da meldet sich mein inneres Warnsystem: „Hier ist aber gar nichts abgesichert – lieber vorsichtig!“ Und das zu Recht. Über Schächte wurden lose Bretter gelegt, an anderen Stellen sind Teile eingestürzt. Nein danke, Abenteuer ja – aber nicht lebensmüde. Ich drehe wieder um.

Zurück an Karsten entdecke ich am Grillplatz am See einen kleinen Fitnesszirkel – sauber aufgebaut, fast professionell. Nicht schlecht für so eine Ecke.

Dann geht’s weiter zum Museum, gerade mal vier Kilometer entfernt. Um 9:30 Uhr bin ich dort. An der Kasse will ich gerade zahlen, da reicht mir die Dame ihr Handy – ein deutschsprachiger Führer erklärt mir per Telefon, dass um 13:15 Uhr eine vierstündige Bunkerführung startet. Klingt interessant, ist mir aber schlicht zu lang.

Ich schlendere also lieber allein durchs Museum, lade mir einen Audioguide aufs Handy und erkunde die frei zugänglichen Teile auf eigene Faust. Beeindruckend, was die Wehrmacht hier damals gebaut hat – baulich durchdacht und massiv. Ein bisschen unheimlich ist es trotzdem.

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Panzersperren am Ostwall
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Bunkeranlagen

Gegen 13 Uhr mache ich mich wieder auf den Weg. Die ersten Tropfen landen auf der Windschutzscheibe, wenig später schüttet es. Karsten bekommt eine kostenlose Oberflächenreinigung – Staub und Dreck werden wenigstens mal grob abgespült.

Für die Route nach Posen hatte ich am Navi optimistisch „grün“ eingestellt – ein Fehler. Das System schickt mich über Straßen, die eher an Feldwege erinnern. Woher das Navi diese kennt? Rätselhaft. Jedenfalls nicht zur Nachahmung empfohlen.

In Posen angekommen, hat der Regen aufgehört. Ich finde zügig einen Parkplatz, schwinge mich aufs Rad und fahre in die Altstadt. Und was soll ich sagen: Wow. Wirklich schön hier. Viel wird noch saniert, aber das, was schon fertig ist, kann sich sehen lassen.

Gegen 18 Uhr kehre ich ein und gönne mir klassische Piroggen. Lecker, schlicht, sättigend.

Um 20 Uhr bin ich zurück bei Karsten und werde Zeuge einer kleinen Auto-Poser-Vorstellung am Straßenende. Motoren aufheulen, Scheinwerfer-Geblinke – das volle Programm. Mich stört’s nicht. Gegen 21 Uhr tauchen dann zwei Polizeiwagen auf, parken direkt neben mir und beobachten das Geschehen. Kaum rollen sie langsam in Richtung der Versammlung, löst sich die Szene auch schon auf. Und Ruhe kehrt wieder ein.

Ein Tag mit allem: Geschichte, Regen, schlechtem Navi-Humor – und Piroggen.

11.05.2025 Morgens am See – plötzlich mittendrin

Die Sonne scheint, es ist angenehm warm – Zeit für etwas Bewegung. Ich schaue auf Komoot und entdecke eine Route direkt vor meiner Nase: einmal um den See, etwa 5 km. Perfekt für den Start in den Tag. Der Weg ist wirklich schön – Natur, Ruhe, alles passt. Bis ich überholt werde. Und dann nochmal. Und nochmal. Schließlich läuft eine ganze Gruppe an mir vorbei. Merkwürdig viel Betrieb für so einen normalen Morgen. Dann fällt es mir auf: Startnummern. Ich bin aus Versehen in eine Laufveranstaltung geraten. Ein Staffelmarathon rund um den See.

Kurz darauf passiere ich die Wechselzone – natürlich auf der Seite für Leute, die nicht wechseln. 🤷🏻‍♂️. Mir wird klar: Das hier ist ein richtiges Wassersportzentrum. Tribünen, Anzeigetafeln, auf dem See sind Ruderbahnen abgesteckt. Und die Plätze sind voll – Zuschauer, Stimmung, echtes Event-Flair. Ich laufe weiter, lasse mich mitziehen, und hänge spontan noch eine zweite Runde dran. Am Ende stehen knapp 11 km auf der Uhr. Dann geht’s zurück zu Karsten.

So kam es, dass ich ungeplant Teil eines Staffelmarathons in Posen war. Ganz ohne Anmeldung, aber mit Spaß an der Sache. 🏃‍♂️

Ich fahre weiter in Richtung Warschau. Auf dem Weg mache ich Halt bei der Basilika der Muttergottes von Licheń. Schon am Eingang wird klar: Das ist kein kleines Dorfkirchlein. Über 50 Stationen sind auf dem Gelände verteilt – Kirchen, Kapellen, Friedhöfe, Hotels, Restaurants, sogar Spielplätze. In der Mitte wurde ein Hügel aufgeschüttet, der symbolisch für Golgatha steht. Ein Fußweg führt nach oben, gesäumt von lebensgroßen Darstellungen der Kreuzwegstationen. Alles wirkt durchdacht und monumental – fast wie ein religiöses Phantasialand ohne Fahrattraktionen

Ganz am Ende steht die Basilika selbst. Riesig, eindrucksvoll, mit goldener Kuppel. Ich gehe hinein – gerade läuft ein Gottesdienst. Die Atmosphäre ist feierlich und tatsächlich sehr bewegend. Nach dem Gottesdienst schaue ich mir noch das Untergeschoss an – dort gibt es Andachtsräume, die so groß sind wie kleinere Kirchen. Ich komme aus dem Staunen kaum heraus. Als ich wieder nach oben komme, läuft schon der nächste Gottesdienst. Es scheint ein durchgehender Betrieb zu sein. Auf dem Weg zum Ausgang passiere ich noch weitere Kirchen, auch dort gerade Messen mit vielen Besuchern.
Die Basilika ist klar eine bedeutende Pilgerstätte. Die Größe und Infrastruktur – Hotels, Restaurants, Wege – ergeben vor diesem Hintergrund Sinn. Für mich wirkt es dennoch teilweise seltsam.

Am Abend suche ich mir einen Platz zum Übernachten. Etwa 1,5 Stunden Fahrt liegen noch vor mir – dann ist Warschau das nächste Ziel.

Ein abwechslungsreicher Tag geht zu Ende. Mit einem kleinen Marathon und einer großen Kirche.

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