Skandinavien / Baltikum 11.Woche

14.07.2025 Kajak statt Kreuzfahrt – Oelitour's auf dem Geirangerfjord

Wow – heute Morgen ist es schon richtig heiß! Die Vorhersage spricht von über 30°C, eigentlich fast schon zu heiß. Bevor wir weiter Richtung Geiranger fahren, schauen wir uns noch ein wenig in der Umgebung um. Direkt am Eingang des Campingplatzes gibt’s ein Café – und daneben eine Stahlbrückenkonstruktion, die im Zickzack über einen reißenden Wildwasserfluss führt. Wenn du da reinfällst, kommst du wahrscheinlich nur noch als Trümmerhaufen unten an. Keine Überlebenschance – aber faszinierend, was sich das Wasser hier über Jahrtausende an Schluchten und Wegen gegraben hat.

Interessante Brückenkonstruktion
Interessante Brückenkonstruktion

Dann geht’s weiter – zur nächsten Fähre, über den nächsten Fjord. Timing perfekt: anfahren, drauffahren, losfahren. So gut lief’s noch nie!

Kurz vor 12:00 Uhr erreichen wir den Geirangerfjord. Wir checken auf einem Campingplatz ein, ein Stück vor dem Ort – mit dem Plan, am Nachmittag eine Runde mit dem Kajak über den Fjord zu paddeln. Nach einer gemütlichen Tasse Kaffee bauen wir das Boot auf – heute zum ersten Mal als Zweisitzer. Dabei fällt mir auf: Beim zweiten Sitz ist ein Haltegurt nicht richtig vernäht. Muss ich reklamieren – ist ja noch Garantie drauf. Kurz improvisiert, dann passt’s auch schon.

Kajak ins Wasser, vorsichtig einsteigen (spannender Moment!) – und los geht’s. Es macht riesigen Spaß! Diese Perspektive auf den Fjord ist einfach unglaublich. Wir paddeln zu den Wasserfällen, queren rüber zur anderen Seite, ziehen bis nach Geiranger zu den Kreuzfahrtschiffen – die aus dem Kajak heraus nochmal doppelt so riesig wirken – und wieder zurück zum Campingplatz.

Nach dem Anlegen springe ich direkt noch eine Runde zur Abkühlung ins Wasser – das brauch ich auch! Insgesamt waren wir 2,5 Stunden unterwegs, knapp über 10km gepaddelt. Morgen hab ich wahrscheinlich den Muskelkater des Jahres – aber der ist es wert.

Später schwinge ich mich nochmal aufs Rad und fahre in den Ort einkaufen – das Bier ist ja alle. Geiranger selbst ist ein reiner Touri-Ort, komplett auf Kreuzfahrtschiffe ausgerichtet. Als ich dort ankomme, strömen die Massen gerade wieder zurück an Bord. Es wird hektisch als es dann anfängt zu regnen. Lustig zuzusehen!

Am Abend sitzen wir dann noch gemütlich da und schauen den beiden Kreuzfahrtschiffen beim Auslaufen aus dem Fjord zu. Und plötzlich bin ich einfach nur müde. War wieder mal ein ziemlich anstrengender Tag heute…

DAs Kakjakabenteuer beginnt
DAs Kakjakabenteuer beginnt
Die sieben Schwestern
Die sieben Schwestern

15.07.2025 Kurven, klettern und Kaiserschmarrnträume

Heute Nacht hat es etwas abgekühlt, und so können wir ganz entspannt vor Karsten frühstücken – mit Blick auf die Mein Schiff 2, die gerade in den Geirangerfjord einläuft. Danach packen wir zusammen und machen uns auf den Weg. In der steilen Zufahrt zum Campingplatz steht ein LKW und beliefert das zugehörige Hotel. Um vorbeizukommen, müssen wir die engste und zugleich steilste Stelle der Strecke durchfahren – und da passiert’s: Karsten schafft das steile Stück erst im dritten Anlauf, die Vorderräder drehen durch. Zweimal zurücksetzen, Bogen vergrößern … Allrad wäre manchmal wirklich nicht verkehrt! 🤔

Als wir durch Geiranger rollen, gehen gerade die Passagiere des Kreuzfahrers an Land. Unglaublich, was hier los ist – ist das immer so, wenn so ein Schiff anlegt?

"Mein Schiff 2" in Geiranger
"Mein Schiff 2" in Geiranger

Dann geht’s steil bergauf, in engen Kehren hoch auf über 1.000 Meter – und das auf nur wenigen Kilometern. Am Abzweig zur Dalsnibba überlegen wir kurz, ob wir rauf fahren sollen. Aber 33 Euro für hoch und runter? Und dazu die Kolonne Reisebusse mit Kreuzfahrern vor uns … lassen wir lieber. Vielleicht ein Fehler – aber vielleicht auch nicht.

Stattdessen fahren wir weiter bergab bis zur Billingen-Hütte am Rande des Reinheimen-Nationalparks. Die Wanderung am reißenden Fluss Torda bin ich 2023 schon mal gegangen – jetzt will ich sie mit Silke zusammen machen. Für die 3,5km und 250hm brauchen wir knapp zwei Stunden. Der Fluss führt deutlich mehr Wasser als damals – schon 2023 war er spektakulär, aber heute: wow! Die Überquerung der schmalen Steinbrücke ist ein weiteres Highlight – ein bisschen Klettern über dem tosenden Wasser…

Zurück an der Hütte gibt’s zwar keinen Kaiserschmarrn – aber Waffeln mit Marmelade sind mindestens genausogut!

Reinheimen Nationalpark
Reinheimen Nationalpark
Geschafft.... jetzt nur noch runter!
Geschafft.... jetzt nur noch runter!
Kein Kaisersmarrn - aber Waffeln sind super
Kein Kaisersmarrn - aber Waffeln sind super

Dann geht’s weiter. Wir machen noch einen kurzen Stopp an der Stabkirche von Lom – sehenswert! – und fahren dann auf die Sognefjellet-Landschaftsroute. Ziel ist die Sognefjellshytta, aber 300m dahinter finden wir einen Übernachtungsplatz auf 1.430m Höhe. Ein fantastisches Panorama: Wir stehen mitten in den Bergen, umgeben von Schneefeldern, mit Blick auf den Jostedalsgletscher. Dazu eine Grillwurst im Brötchen – besser geht’s nicht.

Stellplatz auf 1430m am Sognefjellet
Stellplatz auf 1430m am Sognefjellet
Panorama und Bratwurst - besser geht nicht!
Panorama und Bratwurst - besser geht nicht!

16.07.2025 Kalte Füße und große Gletscher – Abenteuer vorm Nigardsbreen

Frühstück vor Karsten – umgeben von Schneefeldern. Wann hat man das schon?
Bei strahlendem Sonnenschein sitzen wir draußen und genießen den Moment. Silke hat eine ansprechende Wanderung über die Passhöhe gefunden, also starten wir ganz gemütlich gegen 10:00 Uhr. Knapp 10km und gerade mal 170hm stehen auf dem Plan – klingt nach einer entspannten Tour.

Frühstück - besser geht es nicht!
Frühstück - besser geht es nicht!

Es geht gut los: Die Route führt über diverse Schneefelder im großen Bogen um mehrere kleine Seen bis zu einem größeren See. Dort gäbe es die Möglichkeit, komplett um den See zu wandern – aber das wäre richtig weit. Die andere Variante biegt ab und führt direkt zurück zum Stellplatz bei Karsten. Soweit die Theorie…

Den Abzweig finden wir noch, aber dann verliert sich der Weg irgendwie. Vermutlich unter einem der vielen Schneefelder. Unsere Suche bleibt erfolglos, also peilen wir anhand von Landmarken und der Route auf der Uhr die Richtung. Über kleine Flussläufe – balancierend über Steine –, über Schneefelder… und schließlich heißt es: Schuhe aus und einen größeren Fluss durchwaten. Kaum kalt – kommt ja nur direkt aus der Gletscherregion und wird von schmelzenden Schneefeldern gespeist 🥶.

Als wir wieder bei Karsten ankommen hatten wir doch richtig viel Spaß. Nicht ganz wie geplant, aber genau deshalb irgendwie besonders.

Der Wanderweg führt über Schneefelder
Der Wanderweg führt über Schneefelder
Weiter über Schneefelder
Weiter über Schneefelder

Danach fahren wir weiter über die Sognefjellet-Landschaftsroute. Zum Teil sehr eng und einspurig, zum Teil steil – es geht wieder runter auf Meereshöhe, an den nächsten Fjord. In Skjolden wundern wir uns kurz über die vielen Menschen – das Kreuzfahrtschiff im Fjord erklärt dann alles. Am Ortsausgang entdecke ich eine Parkbucht mit Badestelle – perfekte Gelegenheit zur Abkühlung! Ich spring kurz rein. Erfrischend ist noch untertrieben – das Wasser hat 15°C. Silke kann ich irgendwie nicht überzeugen, mitzukommen…

Weiter geht’s am Fjord entlang bis nach Gaupne. Dort biegen wir ab Richtung Nigardsbreen – einem der bekanntesten und am besten zugänglichen Ausläufer des gewaltigen Jostedalsbreen, dem größten Festlandgletscher Europas.
Kurz vorher finden wir einen schönen Übernachtungsplatz. Morgen wollen wir zum Gletscher wandern.

17.07.2025 Gemütlicher Gletscherwanderung und nächtlicher Terror

Es gibt drei Möglichkeiten, zum Gletscher zu kommen: Man kann mit dem Auto bis zu einem Parkplatz etwa 3km vor dem Gletscher fahren. Dann entweder mit einem Boot über den See bis zum Gletscheranstieg oder zu Fuß 1,5km um den See herumlaufen. Oder – ganz einfach – man startet direkt vom Gletscherhaus aus und läuft die kompletten 6km bis zum Nigardsbreen. Wir parken Karsten am Gletscherhaus und laufen los. War ja klar… 🤷🏻‍♂️! Gemütliche Wanderung, etwa 150hm.

Der Nigardsbreen vom Gletschermuseum aus gesehen
Der Nigardsbreen vom Gletschermuseum aus gesehen

Der Weg ist schon toll – er führt durch eine Landschaft, die der Gletscher während seines Rückzugs in den letzten Jahrhunderten hinterlassen hat. Überall liegen Felsbrocken – kleine und richtig große. Man muss schon genau hinschauen, wo man hintritt.

Am Parkplatz und See angekommen geht’s weiter, jetzt teilweise über Holztreppen und glattpolierte Felsen bis zum eigentlichen Aufstieg. Ringsherum stürzen kleine und große Wasserfälle ins Tal – das warme Wetter bringt ordentlich Schmelzwasser von den umliegenden Bergen runter. Ein reißendes Wildwasser, gespeist vom ewigen Eis und der Schneeschmelze, tobt in den See.

Der letzte Abschnitt führt ca. 1,5km entlang blauer Markierungen über blanken Fels direkt hinauf zum Gletscher. Imposant – und eiskalt! Ein kräftiger Gletscherwind pfeift uns entgegen. Oben am Aussichtspunkt stürmt es ganz schön – mir weht’s die Mütze vom Kopf. Nach ein paar Fotos ziehen wir uns etwas zurück in windgeschützte Bereiche.

Eine Gletscherwanderung hätte uns schon gereizt – aber in Gruppen von 20 und mehr Leuten, dann für eine Stunde aufs Eis, mit mehreren Gruppen gleichzeitig? Nee, danke. Dafür ist es uns einfach zu teuer – und zu touristisch.

Zurück bei Karsten reicht’s dann auch wieder für heute: über 13km, knapp 250hm – und 30°C im Schatten! So schön das Wetter auch ist: Es ist einfach zu heiß geworden.

Wir fahren noch bis Lærdal und biegen dann auf die Aurlandsfjellet-Landschaftsroute ab – da geht’s morgen weiter.

In der Nacht beginnt dann der Terror.
Eine Fliege 🪰 nervt mich stundenlang – erst nach über einer Stunde ist die Jagd endlich erfolgreich. Seltsamerweise geht plötzlich beim Einschalten der Lampe am Bett auch die Lampe über dem Kochfeld an – und lässt sich nicht mehr ausschalten. Erst als ich das Zuleitungskabel kappe ✂️, ist Ruhe🙄!

18.07.2025 Fahrtag, Stecke machen - 4h für 50km 🤔

Heute ist Fahrtag – zumindest theoretisch. Wir wollen mal etwas Strecke machen, schließlich sind es jetzt „nur“ noch zwei Wochen bis zum Ende unserer Tour. Unser Plan: über das Aurlandsfjellet fahren. Wunderschön, landschaftlich absolut sehenswert – aber mit „Strecke machen“ hat das mal so gar nichts zu tun. Für die knapp 50km brauchen wir am Ende fast vier Stunden 🤦🏻‍♂️.

Duschmöglichkeit auf dem Aurlandsfjellet
Duschmöglichkeit auf dem Aurlandsfjellet
Kalte Dusche
Kalte Dusche

Erst geht’s einspurig steil hoch aufs Fjell, dann zieht sich die Straße durch eine karge, felsige Hochlandlandschaft. Die Aurlandsfjellet-Landschaftsroute trägt nicht umsonst den Beinamen „Snow Route“. Die meterhohen Markierungspfähle, die im Winter aus dem Schnee ragen, stehen noch überall am Rand. Am Ende des Hochplateaus geht’s dann wieder einspurig steil bergab – direkt runter ins Tal, Richtung Aurlandsfjord. Kurz vor dem Fjord erreichen wir den Stegastein: eine Aussichtsplattform, die 30Meter über die Baumwipfel hinausragt – und 650Meter über dem Fjord „schwebt“. Von der Glaswand am Ende hat man einen atemberaubenden Blick auf die Fjordlandschaft. 

Unten am Fjord angekommen fahren wir weiter nach Flåm. Die berühmte Flåmbana steht eigentlich auf unserer Liste – aber beim Anblick der Busse und Touristenmassen  streichen wir den Punkt auf unserer Liste. Weiter geht’s – Richtung Süden.

Aurlandsfjord
Aurlandsfjord
Auf der Aussichtsplattform Stegastein
Auf der Aussichtsplattform Stegastein

Gegen 18:00Uhr finden wir einen Stellplatz am Hardangerfjord – ruhig, mit schönem Blick aufs Wasser. Und tatsächlich schwimmen Delfine an uns vorbei!
Um 20:00Uhr dann noch ein kleines Gewitter – eine willkommene Abkühlung nach diesem langen Tag.

Oelitours unterwegs auf dem Aurlandsfjellet
Oelitours unterwegs auf dem Aurlandsfjellet

18.07.2025

Eigentlich hatten wir in Odda die Wanderung zur Trolltunga geplant – aber bei 30°C schenken wir uns die 20km-Tour. Vernunft siegt. Stattdessen schlendern wir ein bisschen durch Odda und fahren dann weiter, gestern war das mit dem „Strecke machen“ ja eher so mittel. Also neuer Versuch heute.

Erster geplanter Zwischenstopp, Låtefossen. Als wir dort ankommen: Chaos pur. Alles voll, Einweiser winken die Autos durch, keine Chance irgendwo zu halten. Das ist tatsächlich das erste Mal, dass ich mich hier richtig ärgere – und mich dieser überfüllte Süden Norwegens nervt. Aber gut, hilft ja nix – weiter geht’s.

Am Langfossen wird’s dann deutlich entspannter. Wir können uns in Ruhe umschauen ohne Massengedränge.

Im Laufe des Nachmittags machen wir noch einen Einkauf und fahren weiter. Etwa eine Stunde vor Stavanger schlagen wir unser Lager in Øyren auf – Austre Bokn Camping, sehr zu empfehlen toller Platz!

Später gehen wir – ja wir beide, Silke auch! – noch im Fjord baden und lassen den Abend ganz entspannt ausklingen.

Morgen geht’s nach Stavanger, und Montag früh steht der Preikestolen auf dem Programm

20.07.2025 Stavanger sehen und zahlen

2023 war ich genau eine halbe Stunde in Stavanger – und als es dann zu regnen anfing, war meine Motivation für Stadtbesichtigung ziemlich schnell vorbei. Neuer Versuch: dieses Jahr ist von Regen keine Spur, und so fahren wir nach dem Frühstück direkt dorthin.

Ich finde den Parkplatz von damals am Jachthafen sofort wieder – und da gerade einer frei ist: perfekt! Kurz darauf schlendern wir durch die Altstadt und entlang des Hafens. Weithin sichtbar: die Queen Mary 2, die hier vor Anker liegt. Schon beeindruckend, so ein Riesenschiff direkt mitten in der Stadt.

Stavanger gefällt uns richtig gut: eine tolle Innenstadt mit bunten Häusern, ein alter Hafen mit schöner Promenade. Ja, touristisch – aber sehr entspannt.

Als wir gegen 17:00 Uhr zurück bei Karsten sind – Überraschung: Knöllchen! Wir haben das Schild wohl nicht richtig gelesen: Maximalparkzeit 3 Tage – aber für Wohnmobile und Caravans ist das Parken hier verboten. Na klasse. Das sind dann mal eben 60€. Und ich war noch so stolz auf meinen Parkplatz-Fund … na ja, dumm gelaufen. Oder besser gesagt: dumm geparkt 😜.

Wir fahren jetzt durch den Ryfast-Tunnel – mit 14,3km Länge und 292m unter dem Meeresspiegel der längste und tiefste Unterwasser-Straßentunnel der Welt. In Jørpeland, kurz vor dem Preikestolen-Basecamp, finden wir einen Stellplatz für die Nacht. Ich gehe noch eine Runde im Fjord schwimmen – und morgen früh gegen 5:00 Uhr wollen wir dann zum Preikestolen starten.

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