Montag 07.08.2023, 36. Tag
Es hat heute Nacht angefangen zu regnen. Ich bin von den ersten Tropfen auf dem Dach wachgeworden und hab die Wäsche, die ich gestern nach dem Baden aufgehängt habe, noch rechtzeitig ins Auto geholt. Glück gehabt! Als ich um 07:30 Uhr aufwache regnet es weiterhin. Nach dem Frühstück fahre ich weiter nach Süden die FV17 entlang. Obwohl es regnet ist die Landschaftsroute absolut faszinierend. Steile Berge, türkisfarbene Fjorde und Sandstände wechseln sich auf den nächsten 100km ab. Kurz nach dem 7,6km langen Svartisentunnel ist die Bootsanlegestelle um über den Holandsfjord zu fahren und zum Svartisen Gletscher zu wandern. Im Regen macht das aber heute keinen Sinn und so fahre ich, nachdem ich mich über den Fahrtzeiten informiert habe, 16km weiter zum Furøy Campingplatz in Halsa. Ich nutze den verregneten Tag und lege einen Waschtag ein. Morgen soll laut Wettervorhersage wieder bestes Wetter sein.
Dienstag 08.08.2023, 37. Tag
Die Wanderung zum Svartisen Gletscher steht heute auf dem Plan. Um 10:55 Uhr stehe ich am Pier wo das Boot zum Gletscher abfährt. Pünktlich läuft der Personenkutter ein, aber als ich einsteigen will winkt der Skipper ab und zeigt auf ein danebenliegendes RIB-Speedboot. Kurz noch Schwimmwesten anlegen dann geht es mit 10 andern Passagieren los. Ich hätte gerne ein Foto unterwegs gemacht war, war aber mit Festhalten beschäftigt. DAs Boot macht 50 Knoten, etwa 93km/h. Nach 3min Fahrzeit waren wir am anderen Ufer des Fjords. Für die Überfahrt braucht der Kutter 15min! Was ein Spass! Das war mal echt Glück🍀.
Die nachkommenden Überfahrten waren dann wieder mit dem Kutter, wie mir erzählt wurde🤷🏻♂️!
Der Weg zum Gletscher führt zuerst auf ebener Schotterpiste 3,5km um einen See herum. Danach beginnt der Aufstieg. Es geht dann nur noch über blanken, vom Gletscher glattgeschliffenen Fels. Die Strecke ist mit blauen Markierungen gekennzeichnet und es empfiehlt sich, bevor man an der einen Markierung vorbeigeht die nächste schon im Blick zu haben. Bis zum Aussichtspunkt ist es etwa noch eine Stunde mehr oder weniger zu klettern. Der Anblick ist Gigantisch. Nach einem kurzen Moment gehe ich weiter zum Gletscher. Bis kurz vor den Gletscher klettere, gehe ich weiter bis dahin wo eine Gruppe mit Führer, die ich vorher schon gesehen hatte ist. Der Gletscher kalbt 2x in der Zeit wo ich da bin. Dabei stürzen gewaltige Massen Wasser und Eis eine Rinne hinab. Ein unglaubliches Schauspiel. Etwa eine Stunde später mache ich mich auf den Rückweg. Inzwischen ist ein sturmartiger Wind aufgekommen der den Abstieg und den Rückweg sehr unangenehm macht. Als ich an der Bootsanlegestelle ankomme fährt gerade der, wegen des starken Windes, verspätete Kutter ein und ich kann direkt zurückfahren.
Ich will noch etwas Strecke machen und der FV17 weiter Folgen. In Furøy, wo ich gestern übernachtet habe, stelle ich mich an der Fähre und warte…und warte…. und warte. Die 17:00 Uhr Fähre kommt erst um 18:30Uhr wegen des Starkwindes. Nachdem ich um 19:00 Uhr auf der anderen Seite des Fjords bin, fahre ich noch eine halbe Stunde und stelle mich oberhalb eines Sees auf einen Parkplatz. Hier bleibe ich über Nacht. Morgen geht es weiter.
Mittwoch 09.08.2023, 38. Tag
Die Nacht war ser unruhig, ein Sturm zieht über Nordnorwegen. Karsten hat es im Wind hin und her geschüttelt. Um 03:00 Uhr bin ich davon aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen. Ich fahre zeitig los um die Fähre von Jektvik nach Kilbokhavn um neun Uhr zu nehmen. Als ich um die erste Kurve fahre wirft mich der Wind gefühlt fast um. Es stürmt unverändert. Ich bin mal gespannt wie das mit der Fähre wird. Pünktlich läuft die Fähre ein und als sie anlegt liegt sie sehr schräg im Wind. Als die Rampe auf dem Pier aufliegt stabilisiert sich das Ganze. Naja…. so ganz entspannt bin ich jetzt nicht als ich auf die Fähre fahre. Es ist ganz schön viel Bewegung auf der immerhin einstündigen Überfahrt und ich bin ganz froh als ich wieder an Land fahre. Unterwegs auf der Fähre habe ich nebenbei den Polarkreis wieder überquert Ich muss langsam mal weiter nach Süden kommen wenn ich noch einige Punkte meiner Planung machen will, deshalb ist heute ein reiner Fahrtag. Ich verlasse die FV17 bei Mo i Rana und fahre auf die E6. Diese fährt sich schneller und entspannter. Die Helgelandkystenstrasse ist wunderschön, aber bei diesem starken Wind sehr anstrengend zu fahren. Etwa 2 Stunden vor Trondheim ist die E6 ab 18:00 Uhr wegen Bauarbeiten bis Morgen um 06:00 Uhr gesperrt. Der Umweg würde länger als eine Stunde dauern. Kurzentschlossen suche ich einen schönen Übernachtungsplatz und hoffe etwas Schlaf nachholen zu können.
Donnerstag 10.08.2023, 39. Tag
Die Sonne scheint heute morgen wieder. Ich schnüre die Laufschuhe und gehe auf eine Joggingrunde durch die Umgebung.🏃🏻♂️ Nach etwas über einer Stunde bin ich wieder zurück. Da ich gestern nur gefahren bin und heute ein weiterer Fahrtag ansteht, ich will bis Trondheim kommen, ist etwas Bewegung nötig!
Gegen Mittag erreiche ich auf meiner Strecke Steinkjer. Der Verkehr wir dort wegen eines Stadtfestes umgeleitet. Nachdem ich durch die Umleitung bin suche ich einen Parkplatz und schlendere durch die Altstadt und schaue mir das Strassenfest an. Gegenüber ist auch noch ein Rummelplatz den ich mir aber spare. Ich bleibe etwa 2h und fahre weiter bis nach Frosta. Uli ist auf seiner Route bis hierher schon gekommen und hat mir seinen Standort geschickt. Nachdem ich Karsten neben ihm abgestellt habe, paddeln wir mit seinem 2er Hochseekajak 🚣🏻♀️ eine Stunde über den Fjord. Macht Spass und wenn man das nicht gewohnt ist, ist das auch ganz schön anstrengend😅!
Abends Grillen wir noch am Lagerfeuer. Schöner Zwischenstopp!!
Freitag 11.08.2023, 40. Tag
Es ist wieder kalt geworden. Ich fahre gegen 11:00 Uhr weiter nach Trondheim. Unterwegs überlegt das Wetter wie es heute werden will und entscheidet erst mal das die Sonne scheint. Ich suche mir einen Parkplatz und radele ins Zentrum. Anders als die anderen Norwegischen Städte die ich mir angeschaut habe, hat Trondheim eine Altstadt. Schöne kleine farbige Holzhäuser, Läden und Cafe´s. Nachdem ich durch die Altstadt geschlendert bin, radele ich noch zum Nidarosdomen, der Kathedrale, und zur Festung. Später trinke ich in der ISAK Bakeri,Kaffee und esse die obligatorische Zimtschnecke. Backstube und Cafe´ Bereich sind in einem Raum…. Musik läuft und der Bäcker singt laut und gut😀👍🏻. Schön hier!
Danach radle ich zurück zu Karsten. Die Fahrt geht weiter bis nach Kristiansund. Morgen fahre ich über die Atlantikstasse und weiter zum Trollstigen.
Ich bin sehr gespannt wie der weitere Verlauf der Reise wird. Der Sturm „Hans“, dessen Ausläufer ich am Dienstag am Gletscher und auf der weiteren Fahrt nach Süden am Mittwoch abbekommen habe, hat in Norwegen und Schweden starke Verwüstungen angerichtet. Viele Strassen sind gesperrt. Ich prüfe zur Zeit täglich wie ich auf meiner Route weiterkomme.
Samstag 12.08.2023, 41. Tag
Nachdem ich mich gestern mit meinen Stellplatznachbarn unterhalten habe habe ich auf Google Maps einen verlassenen U-Boot Bunker in 1,5km Entfernung gefunden. Dahin wandere ich erst mal bevor ich weiterfahre. Der Weg zieht über den Hügel durch Heide ähnliche Büsche und ein kleines Wäldchen. Nachdem es die ganze Nacht geregnet hat ist es entsprechend nass und schlammig. Wegmarkierungen gibt es keine, ohne die Karte und den Pfad auf meiner Uhr hätte ich den Bunker nicht gefunden. Die Aussicht über den Atlantik ist großartig, die Sonne scheint…. perfekt! Ich gehe vorsichtig die ersten Meter in den U-Bootbunker hinein. Meine kleine Taschenlampe reicht bei weitem nicht das ich mich halbwegs sicher bewegen kann. Allein ist es auch keine gute Idee weiterzugehen. Ich bin dann mal vernünftig und gehe wieder raus. Schon ein sehr unheimlicher Ort dieser „lost Place“ Nach gut 2 Stunden bin ich zurück an Karsten und und fahre weiter zur Atlantikstrasse.
Nachdem diese „schönste Strasse der Welt“ durchfahren ist, finde ich sie ganz ehrlich nicht sooo spektakulär. Kann natürlich damit zusammenhängen das ich Landschaftlich vom Norden kommend schon sehr viele schöne Eindrücke mitgebracht habe und das Wetter sich auch ein bisschen zugezogen hat. Ich hab sie jetzt einmal gesehen und nochmals brauch ich nicht hierhin.
Anders der Trollstiegen. Schon auf der Anfahrt…gewaltige Berge und Ausblicke auf diesen Anstieg. Die Bergstrasse ist einspurig und zieht sich über elf Haarnadelkurven hoch zur Passhöhe. Links und rechts Wasserfälle. Genau das Richtige für mich. Hier und da Ausweichbuchten und als ein Reisebus entgegen kommt ist es auch schon „eng“. Die Aussichtsplattform bietet einen fantastischen Ausblick über das Romsdalen.
Ich bleibe hier oben über Nacht. Wenn das Wetter morgen mitspielt wandere ich noch Stabbeskaret.
Sonntag 13.08.2023, 42. Tag
Das Wetter spielt mit! Es hat in der Nacht ein wenig geregnet aber jetzt scheint die Sonne. Gegen 10:00 Uhr starte ich die Wanderung zum Stabbeskaret. Kurz nachdem ich vom Hauptweg auf den Wanderpfad abgebogen bin geht der über Felstreppen steil hoch und dann über einen, mit Kette abgesicherten, schmalen Felsvorsprung. Fängt ja gut an! Im weiteren Verlauf führt die Strecke erst über einem Bergpfad, dann steil zu einem Plateau hinauf. Ab da geht der Weg, wenn man das so bezeichnen will, ausschließlich über Geröll und Felsbrocken. Nachdem ich das Plateau überquert habe geht es weiterhin steil über Geröll und Felsen hoch. Nach 2 Stunden entscheide ich mich umzukehren. Ich habe noch etwa 1,5km vor mir und laut Beschreibung entgegenkommender Wanderer wird nur noch über große Felsen und Vorsprünge bis zum Grat geklettert. Das Wetter ändert sich auch gerade und im Regen möchte ich diese Strecke nicht gehen müssen. Gegen 15 Uhr bin ich wieder an Karsten angekommen und als ich etwa eine halbe Stunde später losfahre in Richtung Geirangerfjord fängt es an zu Regnen. Alles richtig gemacht! Trotzdem ich nicht bis ganz nach oben gekommen bin war es eine super Tour für mich.
Kurz vor Geiranger sehe ich neben einem Tunnel eine alte Strasse. Dort stehen schon einige Wohnmobile und ich finde auch noch einen Platz für die Nacht. Witzigerweise stehen hinter mir die drei Hamburger Adrian, Jessica und der kleine Piet, die ich jetzt zum dritten Mal treffe. Wir sitzen am Abend noch auf ein Kaltgetränk zusammen in Karsten während es draussen weiter regnet.

















