Abschied, Ostsee und Wiedersehen
Ilses Bruder ist kurz vor meiner Skandinavienreise Anfang Mai verstorben. Ich hatte ihr versprochen, mit ihr zum Grab zu fahren. Nachdem alles geklärt ist, starten wir am Freitagmorgen in Richtung Ostsee – erst zum Friedhof, dann weiter zur Verwandtschaft nach Leuengarten.
Kurz nach neun hole ich Ilse ab. Die Aufregung steht ihr ins Gesicht geschrieben – verständlich, eine solche Tour ist in ihrem Alter keine Selbstverständlichkeit. Die Strecke zieht sich, besonders die 120 Kilometer über Land. Im Wagen wird es stiller. Ilse schaut nachdenklich aus dem Fenster, während Felder, Dörfer und Alleen vorbeiziehen. Erst als vertraute Ortsnamen auf den Schildern auftauchen, huscht ein kleines Lächeln über ihr Gesicht. Wir sind also doch richtig unterwegs 😂
In Dergenthin finden wir ohne große Umwege das Grab ihres Bruders. Ilse nimmt sich einen Moment des Erinnerns – still und ganz bei sich. Nach einer halben Stunde fahren wir weiter. Gegen 16 Uhr erreichen wir Leuengarten, wo ihre Cousine Rosemarie schon auf sie wartet. Allein die Freude der beiden zu sehen, macht die lange Fahrt sofort lohnenswert.
Birgit, Rosemaries Tochter, zeigt mir meinen Stellplatz für die Nacht: eine Wiese hinter dem Haus mit traumhaftem Blick über den See. Abends gehen wir gemeinsam im nahegelegenen Wirtshaus essen und sitzen später noch gemütlich beisammen – ein schöner Abschluss des Tages.
Zwischen Hausmesse und Schlosspark
Am Samstag frühstücke ich gemütlich mit Birgit und ihrem Mann Rolf. Die Nacht war großartig – fast neun Stunden durchgeschlafen, das hatte ich lange nicht mehr. Perfekt!
Dann fahre ich weiter nach Schwerin, die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Unterwegs stoppe ich spontan bei Caravan Wendt – dort ist heute Hausmesse. Und was soll ich sagen: ein riesiges Gelände, Fressmeile, Technik- und Zubehörareal und unzählige Wohnmobile. Nach über drei Stunden Messeerlebnis und der Frage:“Neues Wohnmobil oder nicht?“ geht’s weiter.
In Schwerin finde ich schnell einen Parkplatz. Das Schloss, der Park und die Altstadt – alles wunderschön und absolut eine Reise wert. Ich schlendere gut vier Stunden durch die Stadt, genieße das Flair und das herbstliche Licht. Zurück bei Karsten steht jetzt die Entscheidung an: übernachten oder zurückfahren?
Die Antwort liefern mir die nächsten Autos, die über das Kopfsteinpflaster fahren – Ruhe sieht anders aus. Die nächsten Stellplätze, die mir Park4Night anbietet, sind mit 30 bis 50 € pro Nacht auch keine Alternative. Also beschließe ich, noch am Abend zurück nach Leuengarten zu fahren – wieder auf „meine“ Wiese mit Seeblick.
Morgenlauf und Heimfahrt
Auch die zweite Nacht schlafe ich tief und fest – das gab’s schon lange nicht mehr. Am Morgen ziehe ich die Laufsachen an und laufe ein Stück am See entlang. Es ist wirklich wunderschön hier. Nur merke ich schnell, dass ich in letzter Zeit zu wenig trainiert habe. Nach gut sieben Kilometern bin ich wieder zurück – platt, aber zufrieden.
Gerade als ich mir einen Kaffee mache, stehen Ilse und Rosemarie vor Karsten. Es gibt Frühstück, und danach treten wir gemütlich die Heimfahrt an.
Drei schöne Tage gehen zu Ende – voller Begegnungen, Erinnerungen und kleiner Abenteuer. Die Freude von Ilse und Rosemarie, die herzliche Aufnahme bei Birgit und Rolf und mein Ausflug nach Schwerin – all das hat gutgetan. Ich bin froh, dass wir diese Tour gemacht haben. Vielleicht klappt es ja irgendwann wieder.
