Es ist mal wieder Zeit für Andermatt

Endlich wieder Schweiz. Es wird Zeit, Simon und Lea in Andermatt zu besuchen. Im Winter ist das mit dem Wohnmobil dort oben immer so eine Sache – offiziell stehen geht nicht wirklich und der Stellplatz in Zumdorf … naja. Den hatte ich letztes Jahr schon ausprobiert. Ganz nett, aber doch ein gutes Stück entfernt und wenn das Wetter nicht mitspielt, macht auch die Fahrerei mit dem Rad keinen großen Spaß.

Bis ich am Samstag endlich loskomme, ist es schon Mittag. Macht aber nichts, die Fahrt läuft entspannt. Mein Tagesziel ist Fischingen kurz vor Lörrach. Gottfried hatte mir den Übernachtungsplatz am Weingut Fünfschilling empfohlen – und genau dort lande ich dann auch.

Volltreffer.

Großer Parkplatz mit genügend Stellmöglichkeiten, dazu ein richtig schöner Hofladen und ein Restaurant mit gutem Essen. Mehr braucht es eigentlich nicht. Also erstmal ankommen, runterfahren und den Abend bei einem guten Glas Wein genießen. So darf eine Reise starten.

Nach einer ruhigen Nacht geht es am Sonntag gemütlich weiter. Kurz hinter Lörrach bin ich schon in der Schweiz unterwegs und gegen 14 Uhr rolle ich in Andermatt ein. Die Freude ist groß, Simon und Lea endlich wiederzusehen. Erstmal Kaffee, bisschen quatschen und anschließend parke ich Karsten direkt vor dem Haus da das Restaurant in Erdgeschoß Betriebsferien hat.

Wir spazieren eine kleine Runde durchs Dorf und schauen uns an, was sich rund um die große Hotelbaustelle getan hat. Und ehrlich gesagt: Das ist inzwischen keine Baustelle mehr, sondern fast schon ein komplett neuer Ortsteil. Rund um das Radisson sind Apartmenthäuser, Geschäfte und neue Gebäude entstanden – alles erstaunlich geschmackvoll gemacht. Nur die Immobilienpreise bewegen sich irgendwo zwischen Wahnsinn und Science-Fiction. Verkauft ist trotzdem scheinbar alles.

Unglaublich.

Am Abend gehen wir noch entspannt im Restaurant des Radisson essen. Sehr lecker, sehr gemütlich – genau richtig nach der Fahrt.

Montagmorgen.

Geplant ist eine lockere Tour mit dem Rad Richtung Oberalppass. Ein bisschen Vorbereitungstraining für den Alpenbrevet im September kann schließlich nicht schaden. Während ich noch gemütlich beim Frühstück sitze, klopft es plötzlich an der Tür. Der Betreiber des Restaurants möchte wissen, warum ich hier stehe.Ich erkläre ihm, dass Simon das mit dem Hausbesitzer abgesprochen hatte und dass das Restaurant doch eigentlich geschlossen sei. Stellt sich heraus: Heute und morgen ist doch kurz für Gesellschaften geöffnet. Aber alles ganz entspannt. Kein Stress. Seit dem 1. Mai ist der Zentralparkplatz wieder 24 Stunden nutzbar, also parke ich Karsten eben schnell um.

Dann kann die Tour endlich losgehen.

Von Andermatt aus fahre ich hoch Richtung Oberalppass. Nach gut einer Stunde geht es durch den eiskalten Tunnel oben am Pass. 🥶 Das Wetter ist ansonsten perfekt und nachdem ich mich kurz in der Sonne wieder aufgewärmt habe, ziehe ich die Jacke über und rolle zurück Richtung Dorf.

Die Beine fühlen sich erstaunlich gut an.

Also spontan noch weiter nach Hospental. Der Gotthardpass ist zwar offiziell noch gesperrt, aber anschauen kann man ja mal, wie weit man kommt.

Die Antwort lautet: offiziell nicht sehr weit!!

Direkt hinter Hospental steht die erste Straßensperre. Pass gesperrt. Ich schaue kurz, fahre dann aber einfach weiter. 500 Meter später folgt die nächste Sperre mit Schranke. Auch die lässt sich irgendwie umfahren und plötzlich fahre ich völlig allein auf der gesperrten Passstraße Richtung Gotthard.

Schon ein ziemlich cooles Gefühl.

Gleichzeitig schwingt natürlich immer ein kleines bisschen die Frage mit, was ich eigentlich antworten soll, falls mich doch jemand anhält. Aber weit und breit ist niemand zu sehen.

Nach ungefähr einem Drittel der Auffahrt, kurz vor dem Hotel an der ersten Kehre, beginnt es leicht zu regnen. Und irgendwie fühlt sich das genau nach dem Zeichen an, besser umzudrehen.

Also zurück.

Wieder unten angekommen verlade ich das Bike. Die hintere Bremse klingt inzwischen nicht mehr ganz gesund – vermutlich werden langsam neue Beläge fällig. Nach zwei Jahren absolut in Ordnung.

Und das Wichtigste: Die Beine fühlen sich weiterhin richtig gut an. Unterwegs nie am Limit gewesen. Genau so soll das sein.

Abends gibt es bei Simon und Lea Tacos und Wraps. Danach noch eine Runde Wii Sports. Ein ziemlich perfekter Tagesabschluss, bevor ich später zurück zu Karsten gehe.

Die Wetterprognose passt exakt.

Am Morgen regnet es erstmal ordentlich. Also bleibe ich noch entspannt sitzen und warte ab. Gegen 11 Uhr soll es laut Vorhersage besser werden – und tatsächlich lässt der Regen langsam nach.

Außerdem: Wenn ich im Winter wirklich ans Nordkap fahren will, dann kann und will ich mich von ein bisschen Regen und Wind in der Schweiz sicher nicht aufhalten lassen.

Also Wanderschuhe geschnappt und los geht’s ins Unteralptal.

Dieses Tal hat es mir wirklich angetan. Ich finde es einfach unglaublich schön hier oben. Rau, ruhig und irgendwie genau die richtige Mischung aus Bergen, Wasser und Einsamkeit. Der Weg führt immer weiter hinein ins Tal Richtung Vermigelhütte. Bis kurz davor komme ich auch problemlos.

Dann ist Schluss.

Alles liegt noch komplett unter Schnee. Einige Schneefelder musste ich unterwegs sowieso schon queren, aber hier oben auf knapp 2000 Metern wird das Ganze langsam zu heikel. Das Wetter ist inzwischen auch eher unangenehm geworden – kalt, windig und nass.

Nach einer kurzen Pause mache ich mich deshalb lieber wieder auf den Rückweg.

Unterwegs entdecke ich immer wieder Murmeltiere. Natürlich versuche ich sofort, ein paar Fotos zu machen. Gar nicht so einfach. Meistens sehen die kleinen Kerlchen nämlich mich deutlich früher als ich sie. Aber ein paar brauchbare Bilder gelingen dann doch.

Zurück bei Karsten heißt es erstmal raus aus den nassen Sachen.

Danach gehe ich rüber ins Radisson. Simon organisiert mir einen Besuch im Spa-Bereich des Hotels und nach der Wanderung tut die Sauna natürlich richtig gut.

Abends holen wir Pizza im Spycher und essen gemütlich bei Simon und Lea zusammen. Ein schöner letzter Abend in Andermatt.

Am nächsten Morgen regnet es wieder kräftig.

Bevor ich mich auf den Heimweg mache, treffe ich mich mit Simon noch im Radisson zum Frühstück. Und das Buffet dort kann sich wirklich sehen lassen. Richtig gut.

Ich liebe ausgiebiges Frühstücken.

Gegen 10 Uhr starte ich schließlich Richtung Heimat. Es war wieder richtig schön hier oben und wie immer vergeht die Zeit viel zu schnell.

Mal schauen, wann es das nächste mal klappt.

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