30.06.2025 Schwindel, Seekrankheit und Bauchgefühl
Geplant war heute Morgen eine Wanderung auf den Husfjellet, aber Silke ist nach dem Aufstehen etwas schwindelig. Da das Wetter leider auch nicht so wirklich schön ist – grau in grau, und die Berge hängen in den Wolken – hab ich auch nicht die rechte Motivation, alleine loszuziehen. Also packen wir unsere Sachen zusammen und fahren weiter nach Gryllefjord. Von dort startet die Fähre nach Andenes auf die Vesterålen. Wenn wir Glück haben, kommen wir noch auf die Fähre um 11:00 Uhr.
Haben wir nicht. Als wir ankommen, ist die Fähre bereits voll, und wir – wie auch die 15 anderen Fahrzeuge vor uns – müssen auf die nächste um 15:00 Uhr warten. Was soll’s – ist mal Pausentime…
Während Silke etwas schläft spaziere ich ein wenig durch den, doch sehr überschaubaren, Ort.
Pünktlich kommt die Fähre, und nach wenigen Minuten sind wir an Bord. Die Überfahrt dauert knapp zwei Stunden. So richtig groß ist die Fähe wahrlich nicht – mit knapp 30 Autos ist sie voll. Als wir auf das offene Meer hinausfahren, kommt doch einiges an Bewegung ins Spiel. So richtig seefest bin ich nicht, aber Silke leidet jedenfalls deutlich mehr.
Gegen 17:00 Uhr sind wir in Andenes und schauen uns dort ein wenig um. Wir würden gerne eine Walsafari buchen, aber beim Veranstalter „Whalesafari Andenes“ heißt es: erst wieder ab Donnerstag – für die nächsten Tage ist Sturm angesagt. Schade, das hätten wir gerne gemacht, aber drei Tage hierbleiben ist keine Alternative. Vielleicht auch ganz gut – Silke hätte sicher „Fische gefüttert“, und ob ich es vertragen hätte? Wahrscheinlich wäre meine Begeisterung größer als die Seekrankheit gewesen – aber wer weiß 🤷🏻♂️
Wir fahren weiter auf der Landschaftsroute Andøya und finden in Bleik, unterhalb der Berge, einen schönen Stellplatz. Nach dem Abendessen beschließen wir – da schlechtes Wetter mit Sturmstärke 7 angesagt ist – die Wandertour auf den Matind jetzt noch zu gehen. Müssen ja nur vor dem Dunkelwerden zurück sein… ☀️😂
Die Tour beginnt direkt am Übernachtungsplatz – runter an die Küste, an den Klippen entlang, um dann steil auf den Berg hochzuziehen. So zeigt es die Karte. Und ja, das stimmt auch – aber die zwei Kilometer an der Küste entlang sind zum Teil steile Kletterpassagen, die nach etwa 1,5 km in den Flutbereich führen. Da meldet sich mein Bauchgefühl und sagt mir: „Es reicht bis hierhin.“ Die Flut kommt gerade, und wenn die Felsen feucht werden…
Zurück bei Karsten gehen wir die Tour in die andere Richtung. Nur mal schauen… 🤦🏻♂️
Nach etwa einer Stunde sind wir auf dem ersten Plateau des Berges angekommen und genießen einen tollen Ausblick. Eine weitere halbe Stunde später stehen wir vor dem finalen Aufstieg und entscheiden – ganz vernünftig‼️ – zurückzugehen. Es wären noch etwa zwei Kilometer bis zum Gipfel, und das letzte Stück ist ein schmaler Grat. Das bedeutet mindestens 1,5 Stunden Wegzeit mit einigem Nervenkitzel. Es ist inzwischen kurz vor Mitternacht.
Als wir wieder auf dem Plateau sind, kommt die Mitternachtssonne voll aus den Wolken – alles richtig gemacht!
01.07.2025 Regentag heißt Fahrtag
Wie gestern Abend vorhergesagt, ist das Wetter mehr als bescheiden. Es regnet zwar noch nicht, ist aber sehr stürmisch. Während wir dann so frühstücken, beginnt es auch immer wieder kurz zu regnen, und wir sind froh, dass wir die Tour gestern noch gelaufen sind – heute hätten wir da definitiv schlechte Karten gehabt.
Wir fahren dann auch los, und kurz nachdem wir wieder auf der Landschaftsroute Andøya sind, bleiben wir an einem seltsamen Aussichtspunkt stehen. Es ist ein Rastplatz mit einer Toilette aus Spiegelglas – hier haben die Norweger wieder alles gegeben. Auf Knopfdruck werden die Scheiben undurchsichtig.
Weiter geht’s auf der Route, entlang weißer Sandstrände und hoher, schroffer Berge. Das Einzige, was den Karibikflair stört, sind die Temperaturen – und der inzwischen heftige Regen und Wind.
Wir fahren den ganzen Nachmittag weiter und erreichen gegen Abend die Lofoten, wo wir uns erst einmal einen Übernachtungsplatz suchen. Morgen soll das Wetter besser werden …
02.07.2025 Regen, Sonne Karibikfeeling
Regen, Regen und Regen. Das Wetter ist heute nicht so wirklich gut. Wir entscheiden, bis zum Ende der Lofoten weiterzufahren und uns Å anzuschauen – haben wir vor zwei Jahren nicht geschafft. Danach wollen wir nicht mit der Fähre nach Bodø fahren, sondern die Landschaftsroute zurücknehmen. Ab morgen soll es nämlich nicht mehr regnen – dann sehen wir auch etwas von der Landschaft.
Als wir in Svolvær sind, scheint sogar kurz die Sonne – reicht für einen gemütlichen Stadtrundgang. Weiter geht’s durch den Regen bis zum Lofoten Beach Camp, etwa 40 km vor Å. Hier treffen wir auch die Hannoveraner Ingo und Jenny wieder.
Als wir ankommen, scheint dann doch die Sonne und wir haben einen tollen Stellplatz direkt am Strand: Sonne, weißer Sandstrand, im Hintergrund die Berge – fast wie in der Karibik! Nur die Wassertemperatur von 10 °C passt nicht ganz … hindert mich aber nicht daran, kurz schwimmen zu gehen.
Wir grillen gemeinsam und haben einen wirklich sehr schönen Abend.
03.07.2025 Å, Nusfjord und Hennigsvær
Am Morgen sind die Hannoveraner schon weiter, sie wollen die erste Fähre nach Bodø erreichen. Wir frühstücken gemütlich und fahren dann weiter nach Å – der Ort heißt wirklich so! Der letzte Buchstabe im norwegischen Alphabet markiert hier auch geografisch das Ende der Lofoten. Früher ein Fischerdorf heute fast ein Freilichtmuseum. Es ist schön, ein wenig touristisch aber sehenswert. Wir kehren um nachdem wir Å besichtigt haben. Müssen wir, denn hier geht es tatsächlich nicht mehr weiter. Es kommen nur noch Felsen und der Atlantik.
Wir überlegen kurz ob wir auch die Fähre nehmen aber: Erstens haben wir wegen dem Regen eigentlich nicht viel von den Lofoten gesehen. Zweitens ist die Fähre nicht groß, eher klein wir haben sie gesehen. Überfahrt vier Stunden bis Bodø ( beste Vorausetzung für Silke….🤮) und drittens soll das Wetter besser werden.
Wir fahren weiter und biegen nach Nusfjord ab. Die Straße führt über einen Pass wieder in ein Fischerdorf. Dieses ist mindestens genauso schön wie Å. Hier kaufen wir in einer alten Bäckerei(seit 1877, steht draußen an!) Brot und Zimtschnecken. Man kann überall Hütten mieten. Bestimmt sehr ruhig und entspannt hier – genau das Richtige für mich Unruhegeist!🤦🏻♂️
Wir fahren weiter und biegen nach Henningsvær ab. Ich möchte den weltberühmten Fussballplatz fotografieren. Allein die Fahrt am Steilufer entlang lohnt und der Ort, auf vielen Inseln gebaut ist sehenswert. Das Foto mit der Drohne mache ich natürlich auch noch.
04.07.2025 RIB Boot Safari und der fehlende Meter
Als wir vorgestern in Svolvær waren, hatte ich mir fest vorgenommen: Wenn wir wieder hier sind, machen wir eine Tour mit dem RIB-Boot zum Trollfjord und zu den Seeadlern. Das Wetter ist gut also steht der Safari nichts im Weg. Wir buchen die Tour bei „Lofoten Explorer“. Um 11:30 Uhr ist Treffpunkt und Ankleiden angesagt – Kälteschutzanzug, Schwimmweste, Brille und Handschuhe.
Los geht’s um 12:00 Uhr mit zwei Booten und sobald wir den Hafen verlassen haben geht die Post richtig ab. Das Boot hat 700 PS und fährt 40–50 Knoten – das sind etwa 70–90 km/h. Da geht was!
An den ersten Felsen angekommen sehen wir die Seeadler aus wenigen Metern Entfernung. Ich habe die große Kamera nicht mitgenommen, weil ich keinen Schultergurt dabeihabe. Ich fotografiere nur mit dem Handy – ärgere mich jetzt noch darüber, aber es war mir zu riskant die Kamera nur in der Hand zu halten. Taschen durften nicht mit an Bord.
Weiter geht’s zum Trollfjord. Unterwegs stoppen wir immer wieder und der Kapitän erklärt einiges zu Gebäuden, Lachsfarmen und allem was so kommt. Der Spaß kommt definitiv nicht zu kurz: Die beiden Boote geben ordentlich Gas und kurven durch die kleinen Felseninseln. Der Trollfjord ist gewaltig – sehr eng und umgeben von steilen Felswänden. Der Sage nach haben Trolle hier Fischerboote mit Felsen beworfen und versenkt. Heute haben wir keine gesehen …
Auf dem Rückweg geht’s noch einmal zum dritten Adlerfelsen, und dann geben die Boote nochmal alles. Sehr geile Sache – hat sich gelohnt!
In Svolvær legt auch eine Fähre zum Festland ab. Wir stellen uns zwei Stunden vorher in dritter Reihe an. Als es dann losgeht und die Fahrzeuge auf die Fähre fahren passiert’s – wir passen nicht mehr rein. Der vor uns wird schon quer reingequetscht und dann holen sie noch einen VW-Bus von ganz hinten und parken ihn in der letzten Lücke. Karsten ist halt gut einen Meter zu lang – na toll!
Da die nächste Fähre erst morgen früh fährt beschließen wir noch ca. 1,5 Stunden weiter nach Lødingen zu fahren. Dort geht stündlich eine Fähre. Kurz vor 21:00 Uhr sind wir wieder auf dem Festland und 10 Minuten später stehen wir auf einem Übernachtungsplatz direkt am Fjord.
05.07.2025 Felsmalereien, Morast und Wandern am Limit
Als wir gestern zum Stellplatz gefahren sind, haben wir kurz vorher ein Schild „Bergkunst“ gesehen. Perfekt für eine kleine Morgenwanderung! Wir gehen gemütlich den Pfad entlang, bis wir auf einem Felsplateau ankommen. Hinweisschilder weisen auf diverse Felsmalereien hin, die gut erkennbar sind. Neben den Malereien ist auch die Aussicht auf den Fjord und die Lofoten am Horizont – klasse!
Nachdem wir wieder bei Karsten sind, packen wir zusammen und fahren weiter. Ziel ist der Rago-Nationalpark. Dort gibt es eine tolle Wanderung, die mir 2023 schon empfohlen wurde – damals lag sie allerdings nicht auf meiner Route.
Gegen 14:00 Uhr sind wir am Startpunkt des Nationalparks. Nach einer gemütlichen Tasse Kaffee starten wir. Die Strecke ist mit 650 hm angegeben – aber dass die gefühlt alle auf den ersten 1,5 km kommen, stand da nicht! 🥵 Danach ändert sich die Strecke: bergauf, bergab, über Bohlen und vor allem durch Morast. Steil bergauf war schon anstrengend, aber das fordert mindestens genauso. Die Morasttour zieht sich 4 km lang, bis schließlich der letzte steile Aufstieg kommt – kletternd über Felsen, und am Ende führt eine Leiter aufs Felsplateau.
Von da an geht es über Felsen bergab bis zum Wasserfall. Eine unbeschreibliche Landschaft tut sich vor uns auf – die Anstrengung hat sich wirklich gelohnt! Ein See, umrahmt von steilen, schneebedeckten Bergen, stürzt über einen Wasserfall ins Tal. Über dem Wasserfall: eine hölzerne Hängebrücke (kleine Mutprobe), über die wir natürlich auch noch gehen.
Zurück bei Karsten sind wir völlig erschöpft. Das war wirklich anstrengend. Da es schon nach 21:00 Uhr ist, bleiben wir einfach hier über Nacht.
06.07.2025 Fahrtag, Saltstraumen und Disk-Golf
Die Nacht war unruhig – unsere Beine erinnern uns deutlich an die gestrige Tour. Wir haben Brotnot aber zum Glück noch Aufbackbrötchen im Kofferraum. Dank einer kleinen Omnia-Anleitung, die ich mir nach vielen Fehlversuchen geschrieben habe, klappt das mit den Sonntagsbrötchen zum Frühstück prima. Sonntag mit frischen Brötchen – passt!
Danach packen wir zusammen und machen uns auf den Weg Richtung Bodø. Ein reiner Fahrtag ist geplant, was unseren müden Beinen sehr entgegenkommt. Kurz vor Bodø biegen wir auf die Helgelandskysten-Landschaftsroute (SV17) ab.
Wir stoppen am Saltstraumen, dem größten Mahlstrom der Welt. Es ist schon unglaublich was Ebbe und Flut so bewirken. Über den Gezeitenwechsel fließen hier über 400 Millionen m3 Wasser bei Flut in, oder bei Ebbe aus dem Fjord heraus. Die Strömung ist einfach unglaublich etwa als wenn der Rhein starkes Hochwasser führt. Und dann alle 6 Stunden in eine andere Richtung…. Da werden einem die Gezeiten, Ebbe und Flut, erst einmal richtig bewusst!
Unterwegs legen wir noch einen spontanen Stopp an einem Disc-Golf-Platz ein und haben richtig Spaß bei unseren Versuchen mit dem Spiel.
Gegen Abend finden wir einen schönen Übernachtungsplatz in der Nähe des Svartisen-Gletschers. Morgen wollen wir dorthin.
