19.05.2025 Regenstart mit Sonnennachschlag
Es regnet. Und zwar ordentlich. Aber laut Wetterbericht soll es in Riga ab 10:00 Uhr trocken sein – mit Sonnenschein sogar. Na dann: früh los und hoffen.
Die erste Stunde? Regen. Die zweite? Noch mehr Regen. Ich fahre durch einen nassen Schleier aus grauen Wolken und frage mich, ob der Wetterfrosch seinen Job versteht. Aber siehe da: Als ich gegen zwölf in Riga ankomme – Sonne! Zwar mit zwei Stunden Verspätung, aber hey, sie ist da.
Über Park4Night finde ich einen Parkplatz mitten in der Stadt. Nicht hübsch, aber gut gelegen – reicht. Karsten wird abgestellt, und ich mache mich gleich auf den Weg zu einem Outdoorshop in der Nähe. Ich brauche nämlich dringend einen Gaskocher für draußen. Meine Gas-Außensteckdose ist nämlich kaputt (ja, hätte ich mal testen sollen 😫), und daran will ich hier nicht rumschrauben.
Google sagt, gleich um die Ecke gibt’s was – und Google hat recht. Die haben genau das, was ich brauche. Gaskartusche rein, fertig. Passt!
Nachdem der neue Kocher sicher in Karsten verstaut ist, laufe ich gut 20 Minuten in Richtung Altstadt. Und wow – Riga ist ein architektonisches Überraschungsei – mittelalterliches Fundament, Jugendstil als Sahnehäubchen, sowjetischer Beton als Kontrast und moderne Akzente obendrauf. Ideal zum Schlendern, Staunen und Fotografieren.
Ich steuere als Erstes die Tourist Info an, hole mir einen Stadtplan und ziehe los. Trotz kurzer Regenschauer und sogar einem kleinen Gewitter bleibe ich bis kurz vor 19 Uhr in der Altstadt unterwegs. Viel zu sehen,!
Zurück bei Karsten wird natürlich gleich der neue Kocher eingeweiht – funktioniert einwandfrei.
Riga gefällt mir richtig gut. Morgen stehen die Markthallen auf dem Programm – ich bin gespannt.
20.05.2025
Gegen 09:00 Uhr brummt es neben Karsten, und ein anderes Wohnmobil parkt ein. Die kenn ich doch! Die zwei hab ich in Klaipėda getroffen. Nach einem kurzen Schwatz mache ich mich fertig und laufe zum Zentralmarkt in Riga. Der Markt befindet sich in und um fünf ehemalige Zeppelinhallen – einfach riesengroß.
Ich schlendere durchs geschäftige Treiben, überlege kurz, Brot und Obst zu kaufen, lasse es dann aber bleiben. Ich werde heute sicher noch einiges zu Fuß unterwegs sein, und meinem Rucksack würde so ein Gemisch aus Aprikose und Sauerteig vermutlich nicht gut bekommen.
Gegen 12:30 Uhr ziehe ich weiter – vom Markt durch einen Stadtpark, quer durch die Innenstadt bis ins Jugendstilviertel. Wow, ein Prachtgebäude neben dem anderen, richtig eindrucksvoll!
Um die Runde rund zu machen, laufe ich zurück in die Altstadt – und komme rechtzeitig beim Public Viewing am Domplatz an. Eishockey-WM: Österreich gegen Lettland. Das 4:1 für Österreich tut der Stimmung dort aber keinen Abbruch.
Gegen 16:30 Uhr bin ich zurück bei Karsten und verlasse Riga. Ich fahre bis zum Gauja-Nationalpark und dort – zur Abwechslung – mal auf einen Campingplatz: Camping Jaunzageri (N57°13’44“, E24°54’22“). Ein wunderschöner Platz, direkt am Fluss Gauja gelegen.
Der Platz ist top ausgestattet, mit Grill- und Feuerstellen an jedem Stellplatz. Gehacktes Feuerholz und Holz fürs Grillen gibt’s zur freien Verfügung, die sanitären Anlagen sind tipptopp, und die Betreiber sehr nett. Außer mir steht nur noch ein holländischer Camper hier – sonst niemand.
Den Abend verbringe ich am Lagerfeuer. Morgen bringt mich dann die Tochter der Betreiber flussaufwärts – und ich mache meine Jungfernfahrt mit dem Kajak zurück zum Campingplatz. Wird spannend!
21.05.2025 Brasla-Paddeln mit Abenteuerfaktor
Nach dem Frühstück fange ich an, meine Sachen fürs Kajakfahren zusammenzupacken … aber was nimmt man da eigentlich mit? Ersatzkleidung – falls man kentert. Eine Jacke. Eine Hose, Unterwäsche, Shirt. Etwas zu trinken. Was zu essen. Ich glaube, ich brauche ein Extra-Boot nur fürs Gepäck.
Am Ende wird’s dann doch übersichtlich. Gegen 11:00 Uhr werde ich abgeholt und zur Einstiegsstelle gebracht. Ich paddle heute auf der Brasla, einem kleinen Fluss, der sich völlig naturbelassen durch Wälder und steile Sandsteinfelsen windet – mitten durchs Naturschutzgebiet.
Weil der Wasserstand stellenweise sehr niedrig ist, fahre ich ohne Finne – sonst würde die vermutlich irgendwo steckenbleiben oder gleich ganz abreißen (Info von meiner Fahrerin!). Der Fluss fordert mich ordentlich: kleine Stromschnellen, querliegende Bäume, Felsen im Wasser …
Nach rund 9 Kilometern mündet die Brasla in die Gauja. Ich mache erst mal eine kleine Pause, dann kommt die Finne wieder ans Boot – hier ist das Wasser tief genug. Und siehe da: Mit Finne und ein bisschen Übung läuft’s jetzt richtig rund. Die letzten 3 Kilometer bis zum Campingplatz gehen prima!
Es hat unglaublich viel Spaß gemacht – und war trotzdem ganz schön fordernd. Nach dem Ausstieg wird das Kajak gespült, getrocknet und versorgt. Ich schwinge mich noch aufs Fahrrad und fahre knapp 6 Kilometer in den nächsten Ort, um etwas fürs Abendgrillen zu besorgen.
Nach dem Essen bin ich dann auch durch. War ein richtig guter Tag.
22.05.2025 Wenn die Reise kurz stillsteht
Gestern Abend hat mich eine schlimme Nachricht erreicht. Und die hat mich, zugegeben, ziemlich aus der Bahn geworfen – so sehr, dass ich heute kaum in Gang komme. Ich bin unschlüssig, ob ich heute einfach hierbleiben oder weiterfahren soll.
Bis ich halbwegs wieder bei mir bin, ist der Tag praktisch schon gelaufen. Also bleibe ich noch bis morgen. Wenigstens ein kleiner Lichtblick: Es gibt eine Waschmaschine – und jetzt wieder einen leeren Wäschekorb.
Morgen geht’s weiter.
23.05.2025 Kerze in der Burg, Sonne an der Küste
Es regnet. Die ganze Nacht durch – und auch heute Morgen geht’s ergiebig weiter. Nach dem Frühstück packe ich zusammen, fülle Wasser auf, entsorge, was entsorgt werden muss – und fahre weiter.
Nächstes Ziel: Cēsis. Eine mittelalterliche Stadt mit Burgkomplex. Als ich ankomme, regnet es natürlich immer noch. Aber egal – ich mache mich auf zur Besichtigung. Am Eingang bekomme ich stilecht eine mittelalterliche Taschenlampe: Laterne mit Kerze. Die braucht man auch – in den alten Gängen ist es stockfinster, Beleuchtung gibt es nicht!
Während meines Rundgangs laufen gerade ein paar Führungen. Die Guides tragen mittelalterliche Gewänder, und obwohl ich kein Wort verstehe, zeigt die Stimmung: Die machen das richtig gut. Die Burg ist beeindruckend, und da es draußen weiterplätschert, nehme ich auch noch das angeschlossene Museum mit.
Danach laufe ich durch die Altstadt. Ja, sie ist alt – und ganz nett. Aber so richtig zündet der Funke nicht. Vielleicht liegt’s am Wetter, das immer noch auf grau und niesel steht.
Ich fahre weiter – Richtung Meer. Eine gute Stunde später bin ich an der Küste, wo ich mir Sandsteinklippen und Höhlen anschaue. Das Wetter hat ein Einsehen: blauer Himmel! Ich bleibe noch ein bisschen an der Küste, bevor ich den Tag in Salacgrīva ausklingen lasse. Ein schöner Stellplatz, dazu ein Abendspaziergang am Strand. Geht doch.
24.05.2025 Supermärkte, Sümpfe und Streetfood im Regen
So schön wie der gestrige Tag wettertechnisch endete, so grau startet der heutige. Immerhin: trocken. Gegen 9 Uhr rolle ich weiter Richtung Estland. Kurz vor der Grenze mache ich noch einen Halt am Supermarkt – Vorräte auffüllen. Die Preise in Estland sollen höher sein und in Finnland… reden wir lieber nicht drüber.
Tja, und wo lande ich? In einem reinen Alkohol-Tempel. Kein Witz – der komplette Supermarkt dreht sich nur um Hochprozentiges. Plötzlich ergeben auch die vielen estnischen und finnischen Kennzeichen auf dem Parkplatz Sinn. Ich laufe neugierig durch die Regale, staune über die Auswahl – was es so alles gibt!
Nach nicht mal drei Kilometern überquere ich die Grenze nach Estland. Auf dem Weg nach Pärnu entdecke ich Autos an einem Hinweisschild – ich halte spontan an: ein Wanderweg der RMK, der estnischen Forstverwaltung. Genau mein Ding! Wenig später stapfe ich über einen Bohlenpfad durchs Moor, vorbei an Seen, mit Aussichtsturm und Natur pur. 4,5 km in 1,5 Stunden – mit Aussicht, ohne Eile. Hat sich sowas von gelohnt.
Zurück auf der Straße erwischt mich der nächste Schauer – als ich in Pärnu ankomme, regnet es. Mal wieder. Stadtbesichtigung bei Nieselregen? Dabei hat Pärnu echt Potenzial. Es läuft sogar ein Streetfood-Festival – alles sieht lecker aus, aber bei Regen verliert selbst der beste Schaschlik seinen Reiz.
Ich fahre weiter Richtung Soomaa-Nationalpark. Dort will ich am Besucherzentrum Infos für eine Wanderung holen. Guter Plan – wäre da nicht die Großbaustelle. Alles abgesperrt, Zentrum dicht. Super.
Ich finde ein stilles Plätzchen mitten im Wald bei einem Aussichtsturm – perfekter Übernachtungsplatz. Und siehe da: Gegen Abend reißt der Himmel auf. Vielleicht ja morgen wieder Sonne?
25.05.2025 Sonnenschein im Moorgebiet
Da ist sie ja – die Sonne! Als ich heute Morgen aufwache, lacht sie vom Himmel, und der ganze Tag sieht plötzlich ganz anders aus. Mit dem ersten Kaffee in der Hand steige ich auf den Aussichtsturm und genieße einfach den Moment. So kann’s losgehen.
Für heute habe ich mir eine oder zwei Wanderungen rausgesucht. Direkt hinter dem Besucherzentrum startet ein Rundweg, der zu Bieberbauten führen soll. Vielleicht habe ich ja Glück und sehe einen dieser fleißigen Holzfäller persönlich. Der Pfad windet sich durch den Wald, rechts und links wird’s immer feuchter. Abseits des Wegs ist hier alles naturbelassen – und irgendwann geht’s dann auch auf Bohlen weiter, quer durchs sumpfige Grün. Klar ist: Ohne den Weg hier würde ich nicht mehr rausfinden. Nur dichter Wald, Wasser – oder beides.
Am kleinen Fluss angekommen, sehe ich überall Spuren der Bieber. Aber es ist wohl Sonntag – keiner auf der Baustelle. Na gut, dann eben weiter. Nach gut zwei Kilometern bin ich zurück am Ausgangspunkt.
Nächste Etappe: ein Wanderweg etwa 8 km weiter. Erst Wald, dann Hochmoor – wunderschön, menschenleer, genau meins. 8 Kilometer Bohlenweg durch eine fast unwirkliche Landschaft. Mitten im Moor liegen mehrere dunkle Tümpel, in denen man sogar baden darf. Aber ehrlich gesagt: schwarzes Wasser, keine Sicht… da springen meine Gedanken direkt zu Moorleichen, Schlangen und Co. Ich passe. Wenige Tümpel weiter baden dann tatsächlich ein paar Mutige. Schade – keine Badesachen dabei. 🫣
Auf dem Rückweg sehe ich an den Rastplätzen Familien, die grillen und entspannen. Die RMK, die estnische Forstverwaltung, macht das hier echt super: Wanderwege, Grillplätze, Toiletten – alles sauber, kostenlos, einfach gut gemacht. Da kann man sich echt eine Scheibe abschneiden.
Nach gut zwei Stunden bin ich zurück am Camper und mache mir Gedanken wie’s weitergeht. Die Entscheidung: Ich buche die Fähre nach Helsinki für Mittwoch. Morgen geht’s bis Tallinn, Dienstag Stadtbesichtigung, Mittwoch rüber nach Finnland. .
Kurz vor Schluss lege ich noch einen dritten Wanderweg ein – wenn’s schon so schön ist, kann man auch nochmal loslaufen. Am Ende stehen 15 km Moorwanderung auf dem Zähler. Klare Empfehlung!
Ich fahre noch ein Stück in Richtung Tallinn und übernachte vor einem Kloster. Hübsche Anlage – die schau ich mir morgen mal an.
























































