Nordkap 2023, 7. Woche

Montag 14.08.2023, 43. Tag

Nach dem Frühstück fahre ich weiter an den Geirangerfjord und Geiranger. Auf den letzten Kilometern merkt man schon deutlich, Touristenhauptziel, klar ich bin ja auch hier. Als ich um die nächste Spitzkehre der Serpentinen hinunter zum Fjord fahre sehe ich es…. Reisebus neben Reisebus. Na prima! Unten im Fjord liegt die „AIDA Perla“ mit 5000 Passagieren vor Anker. Etwa ein Kilometer vor Geiranger entdecke ich einen kleinen Parkplatz an dem, neben 2 anderen Wohnmobilen, noch Platz ist. 30sek später stehen wir, Karsten und ich, da. Jetzt erst mal überlegen, wie der weitere Plan ist. Menschenmassen brauch ich gar nicht. Direkt gegenüber, auf der anderen Seite des Fjords startet eine Wanderung zu einem alten Bergbauernhof Homlongsætra und einem Aussichtspunkt auf einer Felsplatte oberhalb des Geirangerfjords. Das Wetter ist bestens und einem Bike und Hike steht nichts im Weg. Ich radele nach Geiranger, laufe durch die Promenade und fahre dann weiter zum Startpunkt der Wanderung. Diese zieht sich dann stetig bergauf erst zu den Almhütten und dann zum Felsplateau. Von da überblicke ich den eindrucksvollen Geirangerfjord, gespickt mit Kreuzfahrtschiffen, Fähren, Booten und Kajaks. Gegenüber stürzen die Wasserfälle der sieben Schwestern. Nach einer kurzen Rast steige ich wieder ab. Kurz vor dem Ende der Wanderung beginnt es zu regnen. Als ich an Karsten wieder ankomme scheint die Sonne wieder. Eine Schöne Wanderung. Immerhin 530hm auf 3,5km einfache Strecke.

Ich verabschiede mich vom Geiranger und fahre weiter in Südlicher Richtung. Nächstes Ziel ist das „Land der Riesen“ Jotunheimen Nationalpark. Die Strecke zieht von Seehöhe am Fjord über Serpentinen über den Djupvatnet See, eingebettet in eine wunderschöne Hochgebirgslandschaft auf knapp 1100m. 

Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt finde ich einen Übernachtungsplatz am Ende eines weiteren Gebirgssees. Reicht für heute.

Dienstag 15.08.2023, 44. Tag

Das Tagesziel Jotunheimen Nationalpark steht und so fahre ich gegen 09:00 Uhr weiter. Nach immerhin schon 6km Fahrstrecke sehe ich am seitlich einen Parkplatz an einem Wasserfall. Es ist einer der Zugänge zum Reinheimen Nationalpark. Auf Hinweistafeln sind Erklärungen und Wanderwege eingezeichnet. Na dann, wenn ich mal schon hier bin …..  kurze Rundwanderung am Wildwasser geht immer! Der Weg zieht steil Bergauf und ich komme schnell auf Betriebstemperatur. Sehr schöne Landschaft hier. Nach 2,5h bin ich wieder zurück und fahre weiter.

Eingang zum Reinheimen Nationalpark
Eingang zum Reinheimen Nationalpark
Reinheimen Nationalpark
Reinheimen Nationalpark

Inzwischen hat der vom Wetterbericht angesagte Regen auch begonnen. Unterwegs muss ich einkaufen, inzwischen sind meine Vorräte weitestgehend aufgebraucht.

Gegen 16:10 Uhr komme ich in Lom an. Lom hat den Status Nationalparkdorf und ist ein Eingang zu den Nationparks Jotunheimen, Breheimen und Reinheimen. Ich gehe zur dortigen Stabkirche die leider gerade schließt 🤦🏻‍♂️. Von aussen auch schön!. Im Besucherzentrum möchte ich eine geführte Gletscherwanderung buchen….. das hätte ich doch schon früher machen sollen, sind auf Tage hinaus ausgebucht🤷🏻‍♂️.

Stabkirche Lom
Stabkirche Lom

Ich fahre noch 30km weiter, jetzt über die Sognefjellstrasse  und finde einen Übernachtungsplatz neben einem Wildbach, etwas laut aber schön.

Übernachtungsplatz
Übernachtungsplatz

Mittwoch 16.08.2023, 45. Tag

Da es heute morgen noch regnet, nutze ich die Zeit um die Rückreise zu planen.  Ich buche die Fähre Montag Nachmittag ab Kristiansand nach Hirtshals in Dänemark. Somit habe ich noch knapp 6 Tage in Norwegen. Nachdem ich gefrühstückt habe kommt auch langsam die Sonne durch. Ich fahre die Sognefjellstrasse weiter durch eine traumhafte Hochgebirgslandschaft bis auf 1430m über Seehöhe. Oben an der Sognefjellhytta beginne ich eine Wanderung über die Hochebene. Der Pfad führt über Bachläufe und Schneefelder immer die gewaltigen Gletscher im Sichtfeld. Nach etwas 2 Kilometer ändert sich das Wetter und es fängt an zu regnen. Als es sich nach 20min nicht ändert drehe ich um. An der Hütte zurück bin ich trotz Regenjacke völlig durchnässt. Hier gibt es erst mal Kaffee und eine, fast schon traditionelle, Zimtschnecke. Als ich weiterfahre klart das Wetter auf und die Sonne lacht 🌞. 

Jotunheimen Nationalpark
Jotunheimen Nationalpark
Jotunheimen Nationalpark
Wanderung die Gletscher im Blick

Die nächsten 30km führt die Strasse, immer wieder mit sensationellen Ausblicken, bis auf Seehöhe an den Lustrafjord hinunter und an diesem entlang. In Hafslo biege ich von der E55 ab und fahre zum Austerdalsbreen. 

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Die Anfahrt zum Gletscher ist schon spektakulär. Abwechselnd bekommt man einen Adrenalinschub von der tollen Aussicht auf die Berge, die sich im türkisfarbenen Wasser spiegeln. Vom Gegenverkehr der vor einem auf der wirklich sehr engen Straße auftaucht oder den vier Tunneln, von denen zwei so aussehen als wären sie soeben von Zwergen in den Fels gehackt worden. Am Ende der Strasse ist eine Selfservice Mautstation. An einer sehr kleinen Hütte zahlt man die Maut entweder bar in einen Umschlag oder an einem Kartenleser kontaktlos. Das Tor öffne man dann von Hand und die nächsten 5km gehen über einen Schotterweg bis zur Wanderhütte Tungestølen.

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Schöne Momente der Natur
Anfahrt zum Austerdalsbreen
Anfahrt zum Austerdalsbreen
Hochebene vor dem Austerdalsbreen
Hochebene vor dem Austerdalsbreen

Mein Platz für die Nacht ist direkt gegenüber dem Gletscher. Eine grandiose Sicht. Bin auf den Sonnenaufgang gespannt.

Donnerstag 17.08.2023, 46. Tag

Die Uhr zeigte gestern für den heutigen Sonnenaufgang 05:37 Uhr an. Als ich pünktlich aufstehe ist der Himmel wolkenlos und  das Thermometer zeigt 7°C🥶!  Der Sonnenaufgang ist schön….. aber ich hatte ihn mir etwas dramatischer erhofft🤷🏻‍♂️. Das frühe Aufstehen hat sich nicht so wirklich gelohnt. Egal, heute wird ein schöner Tag und ich freue mich auf die Wanderung zum Gletscher.

Um 10:00 Uhr laufe ich los. Der Weg führt unterhalb der Berghütte hoch ins Gelände. Erst steil…dann steil und nass! Es hat die letzten Tage geregnet und der Pfad ist wirklich sehr schlammig. Über Steine, festes Wurzelwerk und viel Matsch geht es hoch. Nach etwa einem Kilometer führt der Pfad über eine weitere Hochebene. Dabei überquere ich einige Wasserläufe mal quer und mal längs. Immer über größere Steine oder auch mal ein Brett. Etwa vier Kilometer führt der Weg bis ans Ende der Ebene um dann am Hang steil quer hoch zu ziehen. Als ich um den Hang herum bin liegt der Gletscher vor mir. Ein für mich sensationeller Anblick. Zwei Gletscherzungen, die um einen Berg herum zu Tal laufen und sich dort vereinigen. Ich bin mehr als beeindruckt. Ich gehe noch bis an den Gletscher ran und schaue einen Moment zwei geführten Gruppen die über das Eis gehen zu.

Nach einer Weile mache ich mich auf den Rückweg. Als ich an Karsten ankomme reicht es mir auch für heute. Es waren doch 13km Strecke, für die ich über 4 Stunden reine Gehzeit gebraucht habe. Das Gelände ist hier schon sehr anspruchsvoll und fordernd. 

Das nächste Ziel ist der Preikestolen. Bis dahin ist noch einiges an Strecke zu fahren. Ich fahre gegen 16:00 Uhr los und noch 2 bis 3 Stunden fahren. Gegen 19:30 Uhr finde ich auf dem Auerlandfjell einen Stellplatz für die Nacht.

Freitag 18.08.2023, 47. Tag

Heute gilt es. Ich muss mal etwas Strecke machen. Ich möchte an den Preikestolen heute kommen und das sind etwa 400km. Das Navi sagt knapp 8 Stunden Fahrzeit voraus. Mit einer oder zwei Pausen wird es auch länger. Um 09:30 Uhr fahre ich los und nach 5min stehe ich am nächsten Aussichtspunkt und schaue🤣. Na das kann ja was werden🫣!

Aussichtsplattform am Auerlandsfjället
Aussichtsplattform am Auerlandsfjället
Auerlandsfjord
Auerlandsfjord

Die nächsten 2 Stunden zwinge ich mich regelrecht durchzufahren und um 12:00 Uhr pausiere ich, an einem tollen Rastplatz am Hardangerfjord, zum ersten Mal. Weiter geht es, um 15:00 Uhr stoppe ich am Låtefossen, einem mächtigen Wasserfall der direkt neben der Strasse herunterstürzt. Die Gicht weht über die Strasse und der Lärm ist gewaltig. Hier ist natürlich sehr viel Betrieb und es dauert einen Moment bis ich für Karsten einen Parklatz gefunden habe.

Rastplatz Hardangerfjord
Rastplatz am Hardangerfjord
Låtefossen
Låtefossen
Kreisel im 12 km Tunnel
Kreisel im 12 km Tunnel

Nach vielleicht einer halben Stunde Sightseeing fahre ich weiter. Um 19:30 Uhr stehe ich endlich auf einem Stellplatz in Jørpeland, kurz vor dem Preikestolen Base Camp. Habe doch 10 Stunden für die Fahrt gebraucht, ohne Stopps schafft man hier etwas 50km/h, mehr lassen die Strassen  in Norwegen nicht zu.

Sunset am Stellplatz Jørpeland
Sunset am Stellplatz Jørpeland

Samstag 19.08.2023, 48. Tag

Eigentlich hatte ich geplant vom Stellplatz die 7km zum Preikestolen Basecamp mit dem Rad zu fahren. Heute Nacht ist aber starker Wind aufgekommen und ab 12 Uhr Mittag ist Regen angesagt, da fahr ich doch lieber mit Karsten. Um vor dem Hautandrang der Wanderer am Berg zu sein fahre ich um 07:30 Uhr schon zum Parkplatz am Basecamp. War eine gute Idee doch mit dem Rad zu fahren, bei der Steigung hätte ich schon die meisten Körner vor der eigentlichen Wanderung verbrannt😩!  Trotz der frühen Zeit sind schon einige Wanderer unterwegs, kurz nach Acht bin ich dann unterwegs. Nach gut 80min bin ich oben und absolut überwältigt. 608m senkrecht stürzt die Felskante in den Fjord hinunter, Wahnsinn. Es ist schon ein tolles Gefühl hier oben zu stehen. Der Blick an der Kante nach unten ist einfach unbeschreiblich. Ich bleibe eine knappe Stunde hier und genieße den Moment bis mir vom kalten, sehr heftigen, Wind kalt wird. Als ich den Rückweg antrete beginnt es schon zu regnen. Beim Abstieg kommen mir wahre Menschenmassen entgegen, gut das ich so früh war. Alles richtig gemacht!

Im Preikestolen Hikers Cafe´ bleibe ich noch für einen Kaffee und eine….. Zimtschnecke🤷🏻‍♂️. Mal schauen was ich heute noch so mache. Ich fahre erst mal nach Stavanger und werde mir vielleicht die Stadt anschauen. In der Zufahrt nach Stavanger liegt der Ryfast-Tunnel, der längste und tiefste Unterwasser-Strassentunnel der Welt. 14,3km lang und bis 292m unter dem Meeresspiegel. Total abgefahren, Tunnel können sie auch…. die Norweger!

Als ich in Stavanger bin ist das Wetter mehr als bescheiden. Meine Motivation für eine Stadtbesichtigung eher nicht vorhanden. Kurz entschlossen fahre ich weiter ein Stück in Richtung Kristiansand. Unterwegs kaufe ich noch einige Lebensmittel ein und suche mir dann einen Stellplatz für die Nacht. Inzwischen ist das Wetter endgültig gekippt und es regnet ergiebig mit starkem böigen Wind.

Sonntag 20.08.2023, 49. Tag

Die Nacht war sehr ungemütlich, starker Regen und sehr böiger Wind. Am Morgen hat es aufgeklart und jetzt scheint die Sonne wieder. Ich will heute bis Kristiansand kommen, morgen geht von da aus die Fähre nach Dänemark. Ich brauche, mit Pausen, knapp 5 Stunden für die 200km und komme um 16:00 Uhr in Grovane an. Hier möchte ich mir die Tømmarenna , eine historische ca. 4km lange  Flößerrinne anschauen. Die Rinne führt über zwei Hängebrücken und durch Tunnel. Im oberen Bereich wird das Wasser noch durch die Rinne geführt so das man sieht welche Kraft und Geschwindigkeit dort herrschte. Sehr interessant. Am Ende habe ich für die 9km Hin- und Rückweg etwas über 2 Stunden gebraucht. Praktischerweise kann ich hier auf dem Parkplatz über Nacht stehen bleiben. Morgen fahre ich entspannt nach Kristiansand zum Fähranleger.

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