Seit langem darüber gesprochen und davon geträumt, dieses Jahr geht es ans Nordkap. Ich habe noch nie solch eine lange Reise geplant und sehe mich doch ganz schön klein am Beginn dieses Abenteuers. Nachdem ich mir so im Groben überlegt habe wie ich denn den Bogen schlagen will, geh es an die Detailplanung. Silke kann so eine lange Reise mit mir nicht komplett mitmachen, deshalb fliegt sie eine Woche später nach und steigt in Stockholm zu. Sie begleitet mich für drei Wochen und fliegt dann ab Alta wieder zurück. Steffen wollte dort zusteigen und mich auf dem Weg, die Norwegische Küste entlang, begleiten bis nach Hause. Leider hat das letztendlich nicht geklappt und so fahre ich den zweiten Teil allein. Bekomme ich hin, bin ja schon groß!🙋🏻♂️ Nachdem ich meine Überstunden und meinen Jubiläumsurlaub zusammen gelegt habe kann ich acht Wochen für den Trip einplanen und diese Zeit werde ich auch brauchen.
Meine Planung beinhaltet im wesentlichen 2 Termine die ich einhalten muss, Ankunft Silke am 10.7. in Stockholm und Abflug Silke am 31.07. in Alta.
Nachdem ich die letzten Umbauten an Karsten fertig habe, Kühlbox und Hecktaschen……. Naja bis mir wieder was neues einfällt, wird Karsten gepackt. Das stellt sich als nicht so einfach dar. 8 Wochen sind lang. Kleidung zum Wandern, Laufen, Radfahren, nasses, kaltes und warmes/heißes Wetter. Da kommt schon einiges zusammen. Bin gespannt ob alles so aufgeht. Lebensmittel und was man sonst noch so braucht. Aber wahrscheinlich mache ich mir da zu viele Gedanken!
Am Montag soll es losgehen und ganz entspannt bin ich ausnahmsweise am Sonntag schon, bis auf einige Kleinigkeiten, fertig. Mein Bruder Joachim und Schwägerin Gabi fahren heute in den Urlaub und beladen ihr Auto. Kurze Zeit später steigen die beiden ein und fahren los. Hätten sich ja auch mal verabschieden können, sehen uns ja erst in 8 Wochen wieder. Ich schaue aus der Küche zu wie Joachim nach 2,5m noch mal anhält und aussteigt. Plötzlich bewegt sich das Auto und rollt die Steigung im Hof runter, frontal in Karsten rein🫣 Für die nächsten Momente setzt mein Herzschlag und meine Atmung komplett aus!🚑 Das ist alles nicht wirklich und ich frage mich was ich da eben gesehen habe. Nach einer Weile gehe ich runter und schaue mir das Debakel an. Der Rammschutz ist komplett gegen die Front gedrückt und verbogen. Die Scheinwerfer verbogen und der Kühlergrill hat auch etwas abbekommen. Joachims Auto sieht nicht besser aus. Er kann sich beim besten Willen nicht erklären was da gerade passiert ist. Meine erste Befürchtung das die Reise beendet ist bevor sie überhaupt angefangen hat zerstreut sich langsam. Der Rammschutz hat sich voll bewährt, ohne diesen wäre weit mehr kaputt gegangen.

Nachdem wir uns alle beruhigt haben starten Joachim , Gabi und Sammy in den Urlaub. Ich werde Morgen erst mal zum Gutachter fahren und anschließend schauen wie ich das wieder hinbekomme, sodass ich auch fahren kann. Soviel zu „eigentlich fertig…….“
Montag 03.07.2023 1. Tag

Um 08:00 Uhr bin ich schon in Hofheim beim Gutachter. Dieser bestätigt das der Rammschutz Karsten gerettet hat. So entwickelt sich ein Designelement zur super Investition. Knapp 30min später ist dieser mit der Schadensaufnahme fertig und ich fahre in die Firma. Habe heute Morgen vor 06:00 Uhr schon mit Manni telefoniert, Maschinenschlosser und passionierter Autoschrauber. Er hat sofort seine Hilfe angeboten. Wir positionieren Karsten vor einem stabilen Stahlträger. Dann zieht Manni mit einem Kettenzug den Rammschutz wieder soweit in Position zurück. Schon gut wenn man Leute kennt! Das Frühstück für das Team zahlst du Joachim !!
Nachdem Ich die Scheinwerfer wieder gerichtet habe fahre ich bei der Versicherungsvertretung vorbei um alles nötige zu besprechen. Joachim hat alles schon geklärt und jetzt geht es seinen Weg.
Zuhause angekommen frühstücke ich erst mal in Ruhe. Bis ich die letzten Sachen noch gepackt und die Wohnung entsprechend fertig habe, vergeht doch noch eine Weile. Heizung aus, Kühlschrank und Froster leer und aus, Spülmaschine leer und offen. Die Fenster zu, die Netzteile alle raus, Mülleimer leer usw. Es sind doch 2 Monate die ich nicht da bin. Da ist einiges zu erledigen. Mal schauen was ich am Ende so vergessen habe🤷🏻♂️.
So ist es doch 15:00 Uhr bis ich loskomme. Egal….. gestern war mir noch nicht klar ob ich überhaupt heute starten kann. Ich fahre noch ca. 3,5h bis Ascheberg/Coesfeld und bleibe dort auf dem örtlichen Stellplatz über Nacht. Tolle Sache dort. Ausgewiesener kostenfreier Stellplatz mitten im Ort, super. In der Pizzeria nebenan esse ich zu Abend und gehe früh ins Bett.
Dienstag 04.07.2023 2. Tag
Die Nacht war unruhig. Windig, Regen und ich bin sowieso innerlich unentspannt. Gegen 07:00 Uhr stehe ich auf und trinke erstmal in Ruhe eine Tasse Kaffee. Danach ist es schon besser und ich laufe zum Bäcker um die Ecke. Als ich wieder bei Karsten ankomme spricht mich ein Herr an und wir unterhalten uns ein wenig. Ich solle mir unbedingt Schloß Nordkirch und Burg Vischering anschauen, die seien absolut sehenswert. Da es auf dem Weg liegt fahre ich über Nordkirch und schaue mir das Schloss an. Ich laufe gemütlich durch den sehr schönen Park und zum Schloss. Nach einen halben Stunde gehe ich zurück und starte nach Flensburg, dem nächsten Stopp der Reise. Dort komme ich gegen 18:00 Uhr an und finde einen großen Parkplatz auf dem man kostenfrei stehen kann. Prima! Ich laufe noch durch die Altstadt zum Hafen und esse im Brauhaus zu Abend. Um es kurz zu halten, Flensburg und der Hafen gefällt mir persönlich nicht so.
Gegen 21:00 Uhr bin ich wieder in Karsten zurück, der Tag war lang genug und ich bin müde.
Mittwoch 05.07.2023 3. Tag
Relativ früh bin ich wach. Die Nacht war wieder unruhig und heute regnet es ergiebig. Macht nix, will heute eh weiter. Einzige Fragestellung Kopenhagen oder weiter. Wenn es regnet braucht ich mir die Stadt nicht anzuschauen. Die Wetter App sagt das ab 16:00 Uhr in Kopenhagen trocken ist, also dann mal los.
Die Fahrt ist an sich unspektakulär bis ich an die Storebæltsbro, die große Beltbrücke, komme. Mit einer Gesamtlänge von über 13km und 65m Höhe ist die Brücke an sich schon beeindruckend. Heute ist die Sicht wetterbedingt eher schlecht und bei Windgeschwindigkeiten von über 50km/h das Wasser sehr rau. Ist schon ein seltsames Gefühl wenn du kein Land siehst, nur eine Fahrbahn, stürmisches Wetter und rauer Seegang rundherum.

Am anderen Ende der Brücke komme ich an die Mautstation. Ich habe mir für Norwegen einen Mauttransponder geholt und meines Wissens soll der auch auf den Dänischen Brücken funktionieren. Er tut es, problemlos bin ich durch die Station durchgefahren👍🏻. Schau mer mal, soll damit 20% günstiger sein.
In Kopenhagen finde ich über P4N (Park4Night) einen Stellplatz an einer Sporthalle. Inzwischen hat es auch aufgehört zu regnen und es zeigt sich blauer Himmel. Ich ziehe mich um und fahre mit dem Rad in die Stadt. 1. Ziel die kleine Meerjungfrau, was denn auch sonst🤷🏻, Ist ja schließlich das einzige was ich kenne. Anschließend fahre ich eine Runde auf Komoot nach die mich zu den meisten Highlights bringt. Durch den „Freistaat Christiana“ laufe ich und staune. Alles in allem bin ich 30km mit dem Rad quer durch Kopenhagen unterwegs. Schöne Runde und eine tolle Art eine Stadt zu besichtigen. Nach gut 3,5h bin ich wieder an Karsten angekommen und mache mir etwas zum Abendessen Danach bin ich satt und müde. Noch schnell duschen und dann ins Bett.
Apropos Radfahren in Kopenhagen🚴🏻, einfach super easy! Die Stadt hat sich in den letzten Jahren konsequent auf Radfahrer eingestellt, dort sind überall Radfahrspuren. An den Ampeln sind Haltebügel zum festhalten und überall sind Radfahrampeln an den Kreuzungen. So muss es sein um die Menschen sicher aufs Rad zu bringen. Hat mir echt viel Spass gemacht.
Donnerstag 06.07.2023 4. Tag
Mein Weg führt weiter Richtung Stockholm. Kurz noch in Dänemark volltanken, ist ca. 30 ct. günstiger als in Schweden und dann geht es Richtung Malmö. Nachdem ich die Oeresundbrücke überfahren habe bin ich in Schweden angekommen. Die Mautstation kostet mich, dank des Transporters, nur wenige Augenblicke und durch die Zollstation werde ich direkt durchgewinkt. Ich fahre die Vogelflugroute (schnellste Strecke durch Schweden) weiter am Vätternsee vorbei bis an das Naturschutzgebiet Tåkern . Am dortigen Naturum gibt es einen Parkplatz wo ich die Nacht über bleibe. Als ich im Naturum bin winken mich 2 Rangerinnen zum Fenster und geben mir ein Fernglas. Unweit ist ein Seeadler auf der Jagt. Tolles Schauspiel. Ich spaziere noch ein wenig herum und gehe auf einen Beobachtungsturm. Natur pur rundherum. Zurück in Karsten ziehe ich mich um und gehe joggen! Der Weg führt mich über Stege durch die Schilflandschaft. Sehr schön! wenn es nicht gerade wie jetzt regnet. Egal, nach 4km bin ich zurück und die heiße Dusche tut gut.
Freitag 07.07.2023 5. Tag
Heute Morgen zeigt das Wetter was es kann. Sonnenschein pur. Nach dem Frühstück wandere ich erst mal los und schaue mir das Naturschutzgebiet bei Sonnenschein an. Den Adler sehe ich zwar nicht mehr aber auch so ist es super. 7,5km später bin ich wieder zurück. Einfach eine tolle Landschaft.
Nach einem Kaffee starte ich so langsam wieder Richtung Stockholm. In Höhe Norrköping habe ich auf P4N einen Parkplatz an einem See gefunden den ich anfahren will. Leider ist der Platz zu nah an der E4(Autobahn) und daher viel zu laut. 5km weiter finde ich den nächsten Platz und der ist super. Mitten im Wald gelegen an einem See. Es sind schon 3 Camper da aber da ist genügend Platz vorhanden. Als ich geparkt habe lädt gerade ein Einheimischer sein Mountainbike vom Auto. Als ich ihn frage welche Biketour er mir empfehlen kann erklärt er mir, dass die lange Runde 7,5km hat und absolut am meisten Spass macht. Immer den blauen Punkten nach, hatten wir doch schon mal 😆. Ich finde die Strecke tatsächlich auf Komoot. 7,5km und 120hm, kann nicht so wild werden. Aber es steht „Schwer“ in der Kategorie, naja 120hm ……😉. Als ich losfahren will kommt gerade der schwedische Biker zurück und zeigt mir kurz seine Runde auf Strava. Einmal rund um den See, genau richtig für den Nachmittag.🚴🏻 Ich fahre los und nach einer kurzen Steigung bin ich am See. Genau so stellt man sich Schweden vor. Seenlandschaft und rings herum nichts als Bäume und Felsen.
Perfekt, nach kurzem Verweilen fahre ich weiter. Der Forstweg zieht noch ca. 150m am See entlang und geht dann in einen Trail über……. und jetzt weiß ich warum die Tour „Schwer“ in der Kategorie ist. Trail vom Feinsten. Felsen, Wurzeln, auf und ab. Fahrbar, aber „sehr“ anspruchsvoll. Am Ende brauche ich gut eine Stunde und von den 7,5km waren sicherlich 5,5km Trail und der Rest Forstweg zum ausruhen. Komplett durchgeschwitzt komme ich an Karsten an, eine Supertour, hat riesigen Spass gemacht. Nachdem das Rad wieder verstaut ist ziehe ich mich um und ab zum See, schwimmen. Schon kalt aber echt klasse. 10min dann reicht es auch. Die anschließende heiße Dusche ist förmlich „Wellness“.
Samstag 08.07.2023 6. Tag
Perfektes Wetter. Bleiben oder weiterfahren? Das ist heute die entscheidende Frage, die es für mich zu klären gibt. Aber erst mal juckt es mich ungemein. Ich will den Trail von gestern laufen. Ist der erste Traillauf seit meiner HüftOP! Mit leichter Skepsis starte ich, keine Ahnung ob das so gut ist?. Es macht von Anfang an unglaublichen Spass. Ich bin nicht schnell und am Ende völlig platt. Schlussendlich freue ich mich und bin sehr glücklich das es problemlos funktioniert hat. Hat mir doch sehr gefehlt!
Nach dem Lauf bin ich komplett durchgeschwitzt …. War ich eigendlich schon immer nach jedem Lauf 😆 und gehe erst mal direkt in den See schwimmen. Einfach genial. Dann ist es höchste Zeit für Frühstück. Gegen Mittag lege ich mich etwas an den See in die Sonne. Der Lauf hat mich doch sehr angestrengt, ich bin das mehr gewohnt🤷🏻♂️ und entscheide mich heute hier zu bleiben. Nachmittags gibt es ein paar Nudeln mit Pesto und Abends gehe ich noch mal schwimmen. Gegen 21:30 Uhr schaue ich mir noch gemütlich den Sonnenuntergang an. Ich merke schon das es länger hell ist, so bis 23 Uhr.
Sonntag 09.07.2023 7. Tag
Um 06:030 Uhr ist die Nacht vorbei, gestern hab ich ja geruht und heute morgen ist irgendwie nix mehr mit schlafen. Ich laufe noch mal rüber zum See und lasse die Drohne fliegen.
Ist schon sehr schön hier. Aber jetzt geht’s weiter in Richtung Stockholm Flughafen. Unterwegs ist mal Ver- und Entsorgung angesagt. Karsten wird getankt, AdBlue aufgefüllt, Grauwasser abgelassen und Frischwasser aufgefüllt. Hier in Schweden gar kein Problem. Danach halte ich in Enköping noch an einem Supermarkt an. Ich gehe gerne in anderen Ländern im Supermarkt einkaufen. Ist echt interessant was es dort für Produkte gibt. Nachdem die Vorräte aufgefüllt sind und ich mir die erste Zimtschnecke in Schweden gegönnt habe fahre ich nach Uppsala. Ich parke außerhalb der Stadt und radele ins Zentrum Der dortige Dom ist die größte Kirche in Skandinavien und macht schon was her. Auch die Universität und das Schloß sind sehenswert. Ich radele nach Gamla Uppsala, eine Historische Siedlung mit Hügelgräbern. Dort hat man, wie im Hessenpark, ein Dorf wieder als Freilichtmuseum aufgebaut. Als ich zurück an Karsten bin ist es schon nach 18:00 Uhr und ich fahre noch ein Stück in Richtung Flughafen. In einer kleinen Gemeinde bleibe ich an einer Kirche mit Friedhof über Nacht. Morgen um 09:00 Uhr landet Silke und dann geht es zu zweit weiter Richtung Norden.
